Ein paar Patronenhülsen auf dem vom Schneeregen durchweichten Waldboden sind bisher die einzigen Spuren eines mysteriösen Verbrechens, dem der Dresdner Oberlandeskirchenrat Roland Adolph und seine Frau Petra zum Opfer fielen. Mit mehreren Schüssen ins Gesicht und den Körper wurde das Paar am Mittwoch in einem Waldstück bei Moritzburg getötet. Ein Jagdpächter fand die beiden Leichen, nicht weit entfernt lag der Jagdhund Adolphs, mit einem gezielten Schuß ins Herz getötet. Nach der Obduktion der Leichen gestern vormittag in der Dresdner Gerichtsmedizin gehen Polizei und Staatsanwaltschaft von einem Tötungsverbrechen aus. Das Ehepaar wurde am hellichten Tag zwischen elf und zwölf Uhr getötet. Weil die Polizei in der Nähe des Tatortes das Auto des Ehepaares inklusive Schlüsseln und Wertsachen fand, wird ein Raubmord ausgeschlossen. Zufall oder nicht? Ebenfalls am Mittwoch vormittag eröffneten Joachim Gauck und Sachsen Justizminister Heitmann in der Dresdner Außenstelle des Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen ein Dokumentationszentrum. Heitmann erinnerte in seiner Rede an die Dezember-Tage 1989, als die Auflösung der Stasi in Dresden begann, und daran wie er mit einer kleinen Gruppe erstmals die Archive auf der Bautzner Straße betrat. In seiner Begleitung damals: Roland Adolph.Der Oberkirchenrat, der in der DDR maßgeblich in der Diakonie tätig war und im Herbst zu den wichtigsten Männern der Bürgerkomitees bei der Stasi-Auflösung in Dresden zählte, gehörte spätestens seit 1994 zur Verwaltungs-Spitze der evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsens. Adolph pflegte einen völlig unspektakulären Lebenswandel. Er wurde geschätzt und war beliebt.Die zeitliche Übereinstimmung der Ereignisse und die Tatsache, daß am 8. Februar 1950 das Gesetz zur Gründung des Ministeriums für Staatssicherheit erlassen wurde, haben bis in höchste Kreise der Landesregierung "Nachdenklichkeit" und "Besorgnis" ausgelöst. Noch gestern Abend soll im sächsischen Innenministerium darüber beraten worden sein, ob ein bestimmter Kreis von Personen, die an der Auflösung der Stasi beteiligt waren, in besonderer Weise zu schützen ist. Ob der Mord an dem Ehepaar Adolph einen solchen Hintergrund hat, ist jedoch nach wie vor unklar. Fest steht bislang, daß Roland Adolph am letzten Tag seines Lebens wegen privater Termine Urlaub genommen hatte. Offenbar fuhr er spontan mit seiner 46jährigen Frau, die in einer Buchhandlung arbeitete, in das von ihm gepachtete Waldstück. Da für das Wild gegenwärtig Schonzeit gilt, hatte er lediglich eine Handfeuerwaffe bei sich. Die Waffe wurde nach Polizeiangaben bis gestern abend nicht gefunden.Die Ermittler schließen inzwischen nicht mehr aus, daß das Ehepaar bei seinem Waldspaziergang überraschend Zeuge krimineller Vorgänge in dem Waldgebiet geworden ist. Bereits im vergangenen Jahr registrierte die Polizei Anzeigen, weil es im Waldgebiet, in dem auch ein beliebter FKK-Badesee liegt, zu ruhestörendem Lärm und anderen Delikten gekommen war. Auch illegale Schießübungen sollen in der Gegend veranstaltet worden sein. Möglicherweise wurden Adolph und seine Frau zufällig Zeuge solcher Ereignisse. Am Tatort wurden bislang weder Fuß- noch Autospuren gefunden. +++

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