Seit elf Tagen verweigern sieben Mitarbeiter des Krankenhauses Moabit aus Protest das Essen. Grund ist, daß die Klinik nach einem Senatsbeschluß in spätesten zwei Jahren von einem neuen Träger übernommen werden soll. Wie berichtet, kommen nach Ansicht des Senats dafür das Jüdische Krankenhaus oder das DRK-Krankenhaus Mark Brandenburg in Frage. Gelingt dies nicht, wird die Klinik geschlossen. Fünf der ehemals zwölf Hungerstreikenden haben aus gesundheitlichen oder familiären Gründen das Hungern aufgegeben. "Einige hatten Kreislaufprobleme, andere konnten ihre Kinder nicht so lange alleinlassen", sagte am Montag Jutta Schauer-Oldenburg, die das "Protesthungern" organisiert und daran teilnimmt. Die noch verbliebenen Protestierenden nehmen laut Schauer-Oldenburg die auf zwei Wochen angesetzte Aktion sehr ernst. "Außer Wasser, Tee und Mineralien gibt es nichts. Viele haben bereits bis zu sieben Kilo abgenommen." Tiergartener Bürger, aber auch Patienten unterstützen den Protest. Blumensträuße stehen auf den Tischen, in Telegrammen wird den hungernden Beschäftigten Mut und Unterstützung zugesagt. Die Motivation der Streikenden sei nach elf Tagen ungebrochen, sagte Anna Rehwald-Kramer, Lehrerin für Pflegeberufe im Krankenhaus Moabit. "Wir werden auch von den Mitarbeitern des Hauses sehr unterstützt." In erster Linie gelte der Protest dem Erhalt des Krankenhauses. Darüber hinaus wolle man mit der Aktion auch auf den Verlust von Ausbildungsplätzen aufmerksam machen. "Seit 1992 sind über 1 000 Ausbildungsplätze in den Krankenhäusern Berlins abgebaut worden. Die Schließung Moabits würde weitere 150 Plätze vernichten", so Rehwald-Kramer.Einer der Beteiligten, der Krankenpfleger Jorge de Sousa Faria, feierte am Montag seinen 27. Geburtstag. "Ich hänge sehr an diesem Haus, bin in diesem Krankenhaus geboren und habe hier meine Ausbildung gemacht", berichtete der junge Mann. Für ihn war sofort klar, daß er sich am "Protesthungern" beteiligen würde. "Dieser Streik ist für uns die letzte Möglichkeit." Für Montag abend wurden die sieben Protestierenden zu Gesundheitssenatorin Beate Hübner (CDU) in ihre Behörde an der Oranienstraße zu einem Gespräch eingeladen. "Ob wir danach weitermachen, werden wir noch in der Nacht entscheiden", so Jutta Schauer -Oldenburg. Bis zum Redaktionsschluß lag noch kein Ergebnis vor.Unterdessen wächst der Protest auch in anderen Krankenhäusern. So läßt die DRK-Klinik Phönix eine mögliche Klage gegen die Krankenkassen prüfen, weil die Versorgungsverträge gekündigt wurden. Für den Erhalt des Malteser-Krankenhauses, das ebenfalls gekündigt wurde, haben Beschäftigte und Patienten sowie Charlottenburger Bürger über 12 000 Unterschriften gesammelt. Das St. Gertrauden-Krankenhaus, das die Abteilungen Neurochirurgie, Augenheilkunde und Geburtshilfe verlieren soll, erwartet von den Kassen eine Antwort, warum diese Abteilungen aufgegeben werden sollen.