In Würde altern können wohl nur Hollywoodschauspieler, die neben einem ansprechenden Äußeren auch über breiter angelegte darstellerische Qualitäten verfügen. Spätestens mit der Erlangung des vierzigsten Lebensjahrs jedenfalls häufen sich diejenigen Fälle, welche ein eher trauriges Licht auf den Stand der US-amerikanischen schönheitschirurgischen Industrie werfen. Wie es aussieht, musste nun auch das Antlitz des jungen Vaters und zeitweilig als Frauenschwarm gehandelten Matthew McConaughey einige Korrekturen über sich ergehen lassen. Anders lassen sich die prallen kleinkindhaften Apfelbäckchen in dem leicht faltigen und nicht zuletzt wohl dadurch mimisch sonderbar uneindeutigen Gesicht kaum erklären. Es ist ein schwer zu beschreibendes Unbehagen, das diese Ambivalenz beim Zuschauen auslöst, ein Unbehagen indes, das durch den unangenehm einfältigen Plot von "Der Womanizer - Die Nacht der Ex-Freundinnen" nicht unerheblich befördert wird.McConaughey spielt den Star-Fotografen Connor Mead, der offensichtlich sehr gut vom Ablichten junger weiblicher Models leben kann, welche er nach getaner Arbeit regelmäßig abzuschleppen pflegt. Ein Mann ohne ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein mithin, dessen Dasein eine einzige Party ist. Mag diese Ausgangssituation für die Betroffenen noch amüsant sein, für den unbeteiligten Kinozuschauer bedeutet sie vor allem gähnende Langeweile - nicht einmal das musikalisch verstärkte multiethnisch besetzte Defilee halbnackter Frauen vermag diesen Affront gegen die Geneigtheit des Publikums zu mildern. Wäre der Mann doch nur halb so unwiderstehlich und souverän, wie der Film notwendig behauptet, könnte einen der Schauwert ja vielleicht noch über die banal-unglaubwürdige Männerfantasie hinwegtrösten. Stattdessen stellt sich bestenfalls Mitleid für den Hauptdarsteller ein, ein Berührtsein, welches sich aber leider zu keinem Zeitpunkt auf die Figur überträgt.Der kleine Bruder des Womanizers jedenfalls möchte heiraten, und weil er der zwar weniger attraktive, aber moralisch und menschlich überlegene Geschwisterpart ist, lädt er trotz besseren Wissens seinen einzigen lebenden Verwandten ein. Das Naheliegendste geschieht: Connor schlägt mühelos und ohne den Anflug eines schlechten Gewissens die Braut in die Flucht. In einem gerechteren Leben oder zumindest in einem besseren Film würde man sich nun den Einbruch des Bösen wünschen, der die Nervensäge nach allen Regeln der Splatter-Kunst zerlegt. Das hätte der frei von Romantik daherkommenden romantischen Komödie wenigstens den komödiantischen Aspekt gerettet. Weil dies den Drehbuchautoren aber offensichtlich nicht einfallen wollte, bedienen sie sich nun ziemlich dreist bei Charles Dickens' Geschichte "A Christmas Carol" und schicken Connor die Geister der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft vorbei, um ihm sein bisheriges Tun und sein erbärmliches Ende verdichtet vorzuführen. Zunehmend missmutig verfolgen wir die unmotivierte Läuterung des Helden, die zu keinem Zeitpunkt in die Nähe von Wahrhaftigkeit oder Glaubwürdigkeit gerät.Wie man die wundervolle Vorlage von Dickens mit dem nötigen Respekt zitieren kann, hätten sich die Macher leicht bei einer anderen, deutlich gelungeneren Kino-Version des Stoffes abschauen können: der "Muppets Weihnachtsgeschichte". Besser noch wäre "The Womanizer" gleich ganz mit den Muppet-Puppen besetzt worden: Das ausdrucksstarke Minenspiel etwa von Kermit dem Frosch hat in seiner luziden Klarheit noch nie enttäuscht.Der Womanizer - Die Nacht der Ex-Freundinnen USA 2009. Regie: Mark Waters, Darsteller: Matthew McConaughey, Jennifer Garner, Breckin Meyer, Lacey Chabert, Robert Foster, Anne Archer, Michael Douglas. 100 Minuten, Farbe.------------------------------Foto: Wäre der Typ nur halb so unwiderstehlich und souverän, wie der Film behauptet, könnte das schon über die banal-unglaubwürdige Männerfantasie trösten.