Miguel Ángel Treviño war einer der gefürchtetsten Drogenbosse Mexikos, bis Elitesoldaten ihn am Montag festnahmen. Diese Verhaftung gilt als großer Erfolg im Kampf gegen die Drogenkriminalität, wenngleich er nicht wirklich nachhaltig ist. Zum einen wird nun Treviños geschwächtes Zeta-Kartell zumindest teilweise von anderen kriminellen Organisationen verdrängt. Zum anderen dürfte Treviño alias Z-40 als Chef des Zeta-Kartells von seinem jüngeren Bruder Omar alias Z-42 ersetzt werden – ganz so wie in einem Familienunternehmen. Das ist nur konsequent, schreibt der italienische Autor und Mafia-Experte Roberto Saviano in La Repubblica, denn das Zeta-Kartell gehöre zu den „einflussreichsten modernen Unternehmen“ Mexikos, effektiv organisiert und eben gewalttätig.

Kartelle wie die Zetas „schaffen es zwar selten auf die Titelseiten italienischer Zeitungen oder gar in die europäischen Fernsehmagazine, aber sie sind für einen wahren Bürgerkrieg verantwortlich, für 70 000 Tote in den vergangenen zehn Jahren und für 80 Journalistenmorde“, schreibt Saviano. Z-40 habe als Boss der Zetas die außergewöhnliche Fähigkeit gehabt, Finanzgeschäfte und militärische Operationen zu verbinden. Die Zetas besäßen kugelsichere Westen, moderne Schutzhelme und ein umfangreiches Arsenal an Sturmgewehren, Granatwerfern, Boden-Luft-Raketen, Nachtsichtgeräten, Dynamit und Hubschraubern. Oft trügen sie zur Täuschung Uniformen der Polizei oder des FBI.

„Das Niveau der Professionalität der Zetas ist ebenso außergewöhnlich wie ihre technischen Möglichkeiten: Sie nutzen moderne Abhörsysteme, verschlüsseln ihre Funksignale, ziehen Skype dem Telefon vor. Zudem sind sie straff organisiert. Jeder Platz hat seinen Capo und seinen Buchhalter, der die Einnahmen der kriminellen Zelle verwaltet, die nicht nur aus Drogengeschäften stammen, sondern aus mehreren Nischen der kriminellen Wirtschaft wie Diebstählen, Erpressung und Entführungen“, analysiert Saviano.

Das Ausmaß des Geschäfts mache am ehesten eine der großen Razzien in den USA deutlich, glaubt Reymer Klüver in der Süddeutschen Zeitung: „Im Zuge der Operation Xcellerator stellten die US-Behörden 2009 auf einen Schlag zwölf Tonnen Kokain, 7,3 Tonnen Marihuana und 59 Millionen Dollar an Bargeld sicher. Auch ein Drogenlabor wurde entdeckt, in dem bis zu 10 000 Ecstasy-Pillen pro Stunde hergestellt werden konnten. Und das war nur ein Bruchteil der Mengen, die im Jahr über die Grenze gehen.“

Die Festnahme des Drogenbosses Miguel Ángel Treviño bedeute „einen ersten großen Erfolg für Präsident Enrique Peña Nieto, an dessen Strategie im Kampf gegen die Drogenkriminalität bereits Zweifel aufgekommen sind“, meint El País. Seine Ergreifung dürfte das Ende des Kartells bedeuten. Doch auch wenn die Sicherheitskräfte die Zahl der großen Kartelle reduzieren, werden sich stets neue und kleinere Banden bilden, die auf eigene Faust agierten – solange die gewaltige Nachfrage, vor allem in den USA, anhält.