SPD-Mitglieder, die sich gegen eine große Koalition ausgesprochen haben, sollen Drohanrufe aus der Berliner Parteizentrale erhalten haben. Der Anrufer gab sich als Mitarbeiter von Generalsekretärin Andrea Nahles aus. Die Parteiführung spricht von einem „kriminellen Akt“ und erstattete Anzeige gegen Unbekannt. Inzwischen bekennt sich ein „Kommando Gerhard Schröder“ zu den Anrufen. Die SPD ist offenbar einem Fall von Politsatire aufgesessen.

Fabian Verch hat durchaus gute Argumente gegen eine große Koalition. Für den Kreisvorsitzenden der SPD in Bruchsal wächst da zusammen, was nicht zusammengehört. Dass der Koalitionsvertrag die Handschrift der SPD trage, kann er nicht erkennen. Vielmehr erkennt er die Anliegen seiner Partei in der Handschrift der Koalitionäre bestenfalls dem Namen nach wieder. Inhaltlich ist er mit dem Verhandlungswerk unzufrieden. Das sagt er auch öffentlich, zuletzt in der Talkshow von Maybritt Illner am vergangenen Donnerstag.

Dieser Auftritt hatte ein Nachspiel. Bei Verch meldete sich ein in den vergangenen Tagen ein Anrufer aus Berlin, genauer, aus der Berliner Parteizentrale der SPD. Auf dem Display des Telefons sei jedenfalls eine Nummer des Willy-Brandt-Hauses erschienen, sagte Verch dem Stern. Der Anrufer gab sich als Mitarbeiter der SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles aus und forderte ihn auf, seine ablehnende Haltung zur großen Koalition schleunigst aufzugeben und das bitte ebenso öffentlichkeitswirksam wie in der vergangenen Woche.

Nackt in der Nazikneipe

„Du hast doch schließlich auch noch Ambitionen in der Partei“, habe der Mann gedroht und angekündigt, sich am folgenden Tag noch einmal melden zu wollen. Tatsächlich hörte Verch nichts mehr von dem ominösen Anrufer und meldete sich daraufhin selbst im Willy-Brandt-Haus in der Berlin, um sich über den Drohanruf zu beschweren.

Dort herrscht seither einige Aufregung. Andrea Nahles schrieb noch am Mittwoch eine Mail an Verch und sprach von einem „kriminellen Versuch“, der der SPD schaden solle. Wer zu solchen Methoden greife, gehöre nicht zur sozialdemokratischen Familie, so Nahles. Für die Generalsekretärin der SPD ist klar, dass es sich bei dem Anrufer nicht um einen ihrer Mitarbeiter handeln kann. Der mysteriöse Anrufer müsse sich in das Telefonnetz der SPD gehackt haben. Sprecher Tobias Dünow bestätigte der dpa den Fall. Die SPD-Parteizentrale erstattete Anzeige gegen Unbekannt.

Die Ermittler werden voraussichtlich schnell vorankommen, denn inzwischen bekannte sich das „Kommando Gerhard Schröder“ zu dem kriminellen Akt. Auf der Internetseite des Politsatiretrupps meldet die sozialdemokratische Splittergruppe „Hedonistische Internationale“, sie wolle „mehr Telefonie“ wagen. Einschlägig bekannt ist die Gruppe bereits. Sie soll schon einmal nackt in eine Nazikneipe marschiert sein.