Dustin Heun hat sich beim 1. FC Union Berlin als robuster und kopfballstarker Angreifer einen Platz im Team gesichert: Heimweg mit Herz

BERLIN. Ein wenig geheimnisvoll ist er schon, dieser Dustin Heun. Gleich nach seinem ersten Tor für den 1. FC Union Berlin gegen Braunschweig hat ein Reporter versucht, ihm zu entlocken, was die Tätowierungen an seinen Armen bedeuten. Römische Ziffern sind umgeben von allerlei Kunstwerken. "Das hat einen familiären Hintergrund", sagte er nur, "das verrate ich nur wirklich guten Freunden." Und dabei bleibt es auch vor der Regionalliga-Heimpartie gegen Erfurt (Sonnabend, 14 Uhr). Heun ist zwar dank seiner beiden Treffer beim Sieg in Babelsberg so etwas wie der Mann der Stunde in Köpenick - aber der 23-Jährige hat Prinzipien.Der Stürmer lebt für Fußball. Der Duisburger hat schließlich schon seine Kindertage auf dem Sportplatz verbracht. Vater Dirk war einst auch Profi, unter anderem in den 70ern mit Tennis Borussia in der Bundesliga. Später war er Dustins Trainer bei seinem ersten Klub Turnerschaft Rahm 06. Ohne jedoch Druck auszuüben. "Er hat mich immer nur unterstützt und nie verlangt, dass ich das Hobby zum Beruf mache." Doch es ist so gekommen, und nun kann Heun viel erzählen über den schmalen Grat, auf dem einige Klubs in der dritten Liga wandeln.Im Winter ist er vom VfB Lübeck gekommen. "Der VfB galt mal als guter, solider Klub", sagt er, "doch das letzte halbe Jahr war schon sehr bitter." Lübeck wollte zurück in die zweite Liga, doch der Versuch misslang zuletzt zwei Mal. Und alles endete im finanziellen Fiasko. Heun hat kein Gehalt mehr pünktlich und komplett bekommen und schließlich auf einen stattlichen Batzen verzichtet, um ablösefrei wechseln zu können. In Lübeck tummeln sich Spieler im Dutzend, die nur für 150 Euro im Monat spielen, die Lizenz für Liga drei wurde gar nicht erst beantragt. Der Klub versucht, die Insolvenz zu vermeiden. Heun erlebte das nicht zum ersten Mal: Auch sein früherer Klub KFC Uerdingen war zwei Mal zahlungsunfähig. "Irgendwie ziehe ich das an, da bin ich wirklich nicht stolz drauf."Bei Union soll alles anders werden für den robusten Angreifer, der sich mit seiner Kopfballstärke sofort einen Platz im Team gesichert hat. "Er ist einer, der viel arbeitet, nie aufgibt - und sich nach den ersten Spielen ohne Tor schließlich doch belohnt hat", sagt Sportdirektor Christian Beeck. Heun meint: "Union war gleich eine Herzenssache. Ich spiele gerne vor leidenschaftlichen Kulissen wie in Köpenick." Hier hofft er, sich seinen Traum von der zweiten Liga noch einmal zu erfüllen.Im Kreise guter FreundeBei Eintracht Braunschweig kam er in der Saison 2005/06 auf 23 Einsätze in Liga zwei, aber die dauerten kaum länger als fünf oder zehn Minuten. "Dafür war ich auf Dauer zu ehrgeizig", sagt er. Seinen Erfolgshunger kann er nun stillen. Union liegt auf Platz drei in der Regionalliga Nord, hat 2008 noch nicht verloren. "Im Moment gehst du immer mit einem guten Gefühl nach Hause, das macht es einem neuen Spieler leicht", sagt Heun. Von Aufstieg schon in diesem Jahr mag er noch nicht reden. Oder höchstens im Kreise wirklich guter Freunde.------------------------------Foto: Leben für Fußball: Dustin Heun (unten) will mit Union in Liga zwei aufsteigen.