Während große nationale Airlines nicht erst seit dem 11. September trudeln und danach sogar, wie Swissair und Sabena, abstürzten, gehören die Preisbrecher zu den Krisengewinnlern. Mit Wachstumsraten von zwanzig oder gar dreißig Prozent bewiesen sie in einer für die Branche äußerst schwierigen Zeit, dass ihr Geschäftskonzept aufgeht. Die so genannten Low Cost Carrier, die auf alle kostentreibenden Extras verzichten, schreiben mehrheitlich schwarze Zahlen, kaufen neue Flugzeuge und bauen ihr Streckennetz sogar aus. Mit ihren beispiellos niedrigen Preisen jagen sie nicht nur den etablierten Airlines Passagiere ab, sondern sprechen auch neue Kundschaft an. Ging es bislang vor allem um eigenes Wachstum, stehen jetzt auch unter den Billigfliegern die Zeichen auf Neuaufteilung des Marktes. Mit der Übernahme der Deutschen BA und der englischen Billigfluglinie Go stößt die britische Fluggesellschaft Easyjet dieses neue Wettbewerbskapitel auf. Die irische Ryanair, bisher Marktführer unter den Billigfluglinien Europas, wird durch die neue Gruppe aus Easyjet, Go und Deutscher BA von Platz eins verdrängt. Der Markt bleibt also in Bewegung, was für die Kunden weiterhin günstige Angebote erwarten lässt - vor allem in Deutschland, dem größten Markt für Inlandsflüge in Europa. Denn im Gegensatz zu den britischen Inseln spielen Billigfluglinien auf dem innerdeutschen Markt bislang eine geringe Rolle. Einzig Germania konkurriert auf zwei innerdeutschen Strecken mit der Lufthansa - von Berlin nach Frankfurt am Main sowie von Berlin nach Köln-Bonn. Ryanair, Easyjet und Buzz hingegen bieten bisher von und nach Deutschland nur innereuropäische Flüge an.Deutschland attraktivDoch das wird sich ändern. Ryanair will ab 2003 auch innerdeutsch fliegen. Erst im Frühjahr dieses Jahres hat Ryanair ihr deutsches Drehkreuz Hahn in der Nähe von Frankfurt am Main in Betrieb genommen und verhandelt derzeit mit acht kleineren deutschen Flughäfen, darunter Berlin-Schönefeld, über Start- und Landerechte. Und Easyjet kann mit der Übernahme der Deutschen BA mit einem Schlag auf ein attraktives innerdeutsches Streckennetz verbunden mit den wichtigen Start- und Landerechten (slots) zugreifen. Die deutsche BA, bislang eine verlustreiche Tochter der British Airways und im mittleren Preissegment angesiedelt, wird zudem von ihren neuen Eigentümern auf Billigfluglinie getrimmt. Für die Lufthansa ist die Situation alles andere als gemütlich, auch wenn ihr Chef Jürgen Weber erst wieder an diesem Wochenende in Sachen Easyjet Gelassenheit zur Schau stellte. Immerhin hat die Deutsche BA seit ihrem Markteintritt 1992 in Deutschland der Lufthansa auf innerdeutschen Strecken Marktanteile um zwanzig Prozent abgetrotzt. Mit Niedrigpreisen à la Easyjet dürfte dies noch mehr werden. Dass der Lufthansa die Billigflieger in Europa nicht gänzlich egal sein können, hat sie unterdessen schon selbst bewiesen - mit immer wieder neuen, besonders günstigen Sondertarifen für Flüge in Deutschland und Europa. Der Lufthansa-Chef hat allerdings in einem Recht: Die Konkurrenz durch die Billigflieger muss vor allem die Bahn fürchten. Wenn fliegen innerdeutsch noch attraktiver wird, werden Kunden häufiger das Flugzeug der Bahn vorziehen. Dennoch bleiben viele Fragezeichen zur jüngsten Entwicklung. Vor allem, ob Easyjet die Übernahmen von gleich zwei Fluglinien finanzieren und die Deutsche BA aus der Verlustzone fliegen kann. Auch Ryanair muss ihre geplante Expansion wirtschaftlich darstellen. Der Kampf der Billigflieger um die Marktführerschaft in Europa hat gerade erst begonnen.