Mit einer Gedenkstunde haben am Sonnabend in Eberswalde (Kreis Barnim) etwa 80 Menschen an die Ermordung des Angolaners Amadeu Antonio durch Rechtsradikale vor fünf Jahren erinnert. Antonio war in der Nacht zum 25. November 1990 zusammengeschlagen worden und elf Tage später an seinen Verletzungen gestorben.Nur ein Dutzend waren es, die sich am Sonnabend nachmittag in einem Gewerbepark von Eberswalde trafen, um mit einem Trauermarsch zum Ort des traurigen Geschehens zu ziehen. Das Bild des Ermordeten wird dem kleinen Zug vorangetragen. In der Mitte des Zuges ist Gabi Schimansky, die Lebensgefährtin Antonios. An ihrer Hand ihr vierjähriger Sohn, den sie nach seinem Vater nannte: Amadeu-Antonio. "Er weiß noch nichts von der Tat", sagt die 38jährige leise, "das werde ich ihm später sagen." Der ehemalige angolanische Vertragsarbeiter starb am 6. Dezember 1990 an den Folgen seiner Verletzungen, die ihm eine Horde von etwa 60 randalierenden Neonazis zugefügt hatte. Der Tod trat laut eines Berichts des Bezirksgerichts Frankfurt (Oder) "infolge eines Trittes oder Schlages auf die rechte Kopfpartie" ein. An der Stätte des Geschehens hängt eine Gedenktafel für den Angolaner. Als der kleine Trauerzug dort ankommt, sind schon einige Dutzend Menschen, darunter viele Jugendliche, da. Bürgermeister Christian Trill wünscht sich in seiner kurzen Ansprache "eine Absage an Gewalt jeder Art". Der 29jährige Sozialdemokrat anschließend zur Berliner Zeitung: "Ich kann diesen Mord immer noch nicht nachvollziehen."Die drei Haupttäter wurden 1993 zu je vier Jahren Jugendstrafe verurteilt. Gegen drei Zivilpolizisten, die dem Geschehen zugesehen hatten, wurde kein Gerichtsverfahren eingeleitet, weil sie sich nicht in unmittelbarer Nähe des Tatorts befunden hätten. So das Oberlandesgericht Brandenburg/Havel 1994 in einer Begründung.Der kleine Amadeu-Antonio bekam vom Versorgungsamt Frankfurt (Oder) nach dem Opferentschädigungsgesetz monatlich 132 Mark - bis September. Dann wurden die Zahlungen eingestellt. Begründung: Das seit 1992 beim Amtsgericht Eberswalde anhängige Vaterschaftsfeststellungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Ende 1994 hatte ein Gutachter festgestellt, daß die Vaterschaft nicht eindeutig nachgewiesen werden könne, da das Antonio entnommene Organmaterial durch die lange Zeit der Aufbewahrung bereits degeneriert war. Der Gutachter schlug vor, den Leichnam zu exhumieren. Einen entsprechenden Beschluß faßte das Amtsgericht im Oktober. Der Richter hatte wohl vergessen, daß Amadeu Antonio in seiner Heimat Angola begraben liegt. +++