EBERSWALDE. Allzu viele Standbilder und Büsten des Mannes mit der Schiebermütze haben den heißen Herbst des Jahres 1989 und die nachfolgenden Wende- und Nachwendewirren in der DDR nicht überstanden. Wladimir Iljitsch Uljanow - weit bekannter unter seinem Decknamen Lenin - war bis dahin vielerorts in unterschiedlichen Posen Stein gewordenes Sinnbild des aufrechten Bolschewisten und Kämpfers gegen Konterrevolution und Weltimperialismus. Die meisten Monumente wurden geschleift, gestürzt, zersägt und im besten Falle noch in handlichen Teilen eingelagert. Nicht so das in Eberswalde (Barnim).Wünsdorf, Potsdam, EberswaldeDas Denkmal des Gründers der Sowjetunion ist eines von ganzen drei im Land Brandenburg, die Wende und Ausbreitung des Kapitalismus leidlich unbeschadet überstanden haben. So ist auf dem Gelände des ehemaligen Oberkommandos der Westgruppe der sowjetischen (später russischen) Streitkräfte in Deutschland in Wünsdorf (Teltow-Fläming) eine stattliche Leninfigur heute als Bestandteil des dortigen Denkmalensembles vor Abriss geschützt. Das ist auch die lebensgroße Bronzestatue an der Hegelallee in der Landeshauptstadt Potsdam. Sie ist bereits seit 1977 als Denkmal eingetragen. Ab und zu gibt dieser Lenin auch weiterhin Anlass zu öffentlichen Debatten - so wie unlängst, als bei unprofessionellen Reinigungsarbeiten die Metalloberfläche angegriffen wurde.Das mit Sockel rund fünf Meter hohe Standbild in Eberswalde schützt seit einiger Zeit ein gewaltiger Bretterverschlag vor Beschädigung. Freilich bedrohen nicht etwa spät erwachte Kommunistenhasser das verwitterte Monument. Vielmehr wurde der einstige Führer des Weltproletariats eingehaust, um ihn vor Beschädigungen durch Bagger, Radlader und Kipper zu bewahren, als ringsum die Abrissarbeiten am ehemaligen Offizierskasino der russischen Streitkräfte begannen, die bis 1993 in Eberswalde stationiert waren. Die Lenin-Statue erlebte den 25. Jahrestag ihrer Enthüllung im Mai vergangenen Jahres in aller Stille - und bereits zum zehnten Mal ohne den Stechschritt paradierender Rotarmisten auf dem Vorplatz. Zum "Tag der Befreiung vom Faschismus", als der der 8. Mai in der DDR begangen wurde, war das Denkmal 1975 aufgestellt worden. Das Gelände ringsum, eine 1936 erbaute Kaserne, nutzte zu jener Zeit - und bis zum endgültigen Abzug der Russen - die Armee der Befreier. Die Sowjetarmee hatte hier ihr 3. Schützenregiment stationiert.Schon kurz nach der Wende wurde Roland Gabsch, damals wie heute Kreisdenkmalpfleger, auf den überlebensgroßen Lenin aufmerksam. Sowohl der erste frei gewählte Bürgermeister der Stadt Eberswalde als auch der als Westimport geholte Baudezernent hatten nichts gegen den Erhalt des Standbildes einzuwenden. Für Roland Gabsch handelt es sich um ein "Zeugnis der ostdeutschen Nachkriegsgeschichte". Nachdem es die Bilderstürmerei gegen kommunistische Monumente unbeschadet überstanden hat, soll es jetzt sogar ins Denkmalverzeichnis des Landes Brandenburg eingetragen und endgültig unter Schutz gestellt werden.T-34 und Rotarmist verschwandenUrsprünglich hatte Gabsch sogar vor, das gesamte Ensemble, das einst das Ruhmesmuseum der Garnison zierte, schützen zu lassen. Dazu hatte neben Lenin ursprünglich auch eine Soldatenfigur, eine Stahlstele und ein kompletter T-34-Panzer gehört. Rotarmist und Panzer indes verschwanden mit der abziehenden russischen Armee Richtung Heimat - nur die leeren Sockel sind noch zu sehen. Der Idee des Denkmalpflegers, wenigstens die Reste zu bewahren, kam Anfang 1997 ein Brief aus der brandenburgischen Staatskanzlei zu Hilfe. Darin erbat die Regierung Informationen darüber, ob an den ehemaligen Standorten der russischen Streitkräfte "Überbleibsel gesichtet wurden, die erhaltungswürdig sind".Nun will Roland Gabsch das Standbild des Gründungsvaters der Bolschewiki und des Sowjetstaates "von Amts wegen" zum Denkmal erklären. Was ihm dazu noch fehlt, sind Einzelheiten über Herkunft und Entstehung, damit er das notwendige Gutachten zum Denkmalwert ausarbeiten kann. Damit indes könnte der Denkmalpfleger sich schwer tun, denn im Kreisarchiv fehlen Berichte aus der Zeit der Aufstellung. Und der entsprechende Band der damaligen Lokalzeitung ist auch nicht mehr auffindbar."Das Lenin-Denkmal ist Zeugnis ostdeutscher Nachkriegsgeschichte. " Roland Gabsch Kreisdenkmalpfleger AXEL BUSSE Vernagelt: Zum Schutz vor Beschädigungen beim Abriss des einstigen Casinos wurde für das Eberswalder Lenin-Denkmal ein Bretterverschlag gebaut.