Der Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika wird nach Einschätzung des UN-Beauftragten Anthony Banbury noch lange dauern. Der Sieg gegen die Krankheit sei „sehr, sehr weit entfernt“, sagte der Chef der UNMEER-Mission vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Der Kampf gegen das Virus, das schon rund 5.500 Menschen tötete, erfordere eine erhebliche Verstärkung der Ressourcen vor Ort.

Die UN-Botschafterin der USA, Samantha Power, verwies in der Debatte in der Nacht zum Sonnabend darauf, dass ständig rund tausend internationale medizinische Helfer in der Region benötigt würden. Wie das in den kommenden Monaten garantiert werden könne, sei heute völlig unklar.

Isolierstationen stehen halbleer

Während Nigeria und Senegal tatsächlich von der Weltgesundheitsorganisation WHO inzwischen für Ebola-frei erklärt wurden und auch in Liberias Hauptstadt Monrovia die Zahl von Neuansteckungen rückläufig ist, breitet sich die Seuche in ländlichen Teilen des Landes und vor allem im Nachbarstaat Sierra Leone zum Teil drastisch aus. Mit Mali droht zudem eine weitere westafrikanische Nation von der Epidemie erfasst zu werden.

„Leider haben wir die Kurve noch überhaupt nicht gekriegt“, sagt Birte Hald von der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften, die gerade von einer Reise durch die Region zurückgekehrt ist. Optimistische Berichte, wonach die Ebola-Epidemie abebbe und bald unter Kontrolle gebracht werden könne, seien irreführend und gefährlich.

In Monrovia stehen viele der Ebola-Isolierstationen inzwischen halbleer, was bei Besuchern dort den Eindruck entstehen ließ, das Schlimmste sei vorüber. Doch ein solches Auf und Ab sei typisch für den trügerischen Verlauf einer Seuche, sagen Experten. Zwar haben sich die schlimmsten Vorhersagen der Fachwelt nicht bestätigt: Sie hatten für Anfang November rund 20 000 Fälle prognostiziert, tatsächlich sind es nur knapp 15 000 Fälle geworden.

In einzelnen Regionen wie dem Westen Sierra Leones jedoch breitet sich das Virus nach Angaben der von Tony Blair gegründeten African Government Initiative neun Mal schneller aus als noch vor zwei Monaten. Anders als in Liberia gibt es in Sierra Leone noch immer viel zu wenige Isolierstationen. UN-Werke und private Hilfsorganisationen haben weiterhin enorme Schwierigkeiten, medizinisches Pflegepersonal aus der Ersten Welt für einen Einsatz in Westafrika zu gewinnen. Es sei einfacher, Freiwillige für den Irak als für Sierra Leone zu rekrutieren, sagt Antoine Petitbon vom französischen Roten Kreuz.

Dazu trägt auch bei, dass sich immer wieder Mediziner und Helfer bei der Behandlung von Ebola-Patienten selbst anstecken. Allein in Sierra Leone haben sich bereits 128 Ärzte, Krankenschwestern und medizinische Hilfskräfte mit dem Virus infiziert, allein sieben Ärzte sind hier bereits gestorben. In den USA starb vor einer Woche ein sierra-leonischer Arzt, der sich in im Krankenhaus in Freetown infiziert hatte.

Krankheit nicht erkannt

Auch das kubanische Ärzteteam, mit 165 Mitgliedern das stärkste ausländische Kontingent in der Region, verzeichnet seinen ersten Ebola-Fall. Der betroffene Arzt wurde in die Schweiz ausgeflogen, er wird seit Freitag in Genf behandelt. Der 43-Jährige habe in Schutzanzug und Maske selbstständig das Flugzeug verlassen können, teilten die Behörden mit. Wie er sich mit Ebola angesteckt hat, war zunächst unklar.

Besonders besorgt schaut die Fachwelt derzeit nach Mali, wo ein inzwischen gestorbener Imam aus Guinea im Pasteur-Hospital in der Hauptstadt Bamako mindestens drei weitere Personen angesteckt haben soll: eine Krankenschwester, die bereits gestorben ist, einen behandelnden Arzt sowie einen Freund, der den Mann am Krankenbett besuchte. Auch er ist inzwischen der Krankheit erlegen. Obwohl das Krankenhaus als das renommierteste des ganzen Landes gilt, war die Ebola-Erkrankung des Geistlichen zunächst nicht erkannt worden, sodass sich inzwischen womöglich zahlreiche andere Menschen angesteckt haben. Derzeit werden fast 600 Malier, die mit einem der Angesteckten in Verbindung standen, observiert.

Insgesamt sind nach Angaben des UN-Hilfwerkes Ocha eine Milliarde Dollar nötig, um den Kampf gegen die Seuche zu finanzieren. Davon seien derzeit erst 60 Prozent eingegangen. Noch immer wird auch eine Hungersnot in der Region befürchtet, da die Bauern ihre Felder schon aus Quarantäne-Gründen nicht bestellen können und der Außenhandel wegen Flug- und Schiffahrts-Restriktionen stark eingeschränkt ist. (mit AFP, dpa)