Der Smart Fortwo Electric Drive ist ein schnuckeliges kleines Auto, das mit einer Gesamtlänge von maximal 2,69 Metern in etwa so groß ist wie ein Fahrrad-Tandem. In knapp fünf Sekunden beschleunigt der kleine Kraftprotz auf 60 Stundenkilometer, bis Tempo 100 dauert es etwa elf Sekunden. Und das Tollste ist: Der Kleinstwagen fährt elektrisch – mit Strom aus der Steckdose.

Wer sich einen solchen Stadtflitzer als Dienstwagen zulegen wollte, sah sich bislang einem ziemlichen Problem gegenüber. Denn der Smart Fortwo ist als Elektro-Fahrzeug mit knapp 24.000 Euro fast doppelt so teuer wie als Benziner. Ähnlich sieht es bei allen anderen E-Autos aus, denn der größte Kostenfaktor ist ihre Batterie, die oft mehrere tausend Euro kostet. Da ein Arbeitnehmer ein Prozent des Listenpreises seines Dienstwagens jedes Jahr als geldwerten Vorteil versteuern muss, war es bislang wenig attraktiv, einen Smart Fortwo Electric Drive oder einen anderen Elektrischen im Dienst zu fahren, weil er privat erheblich stärker versteuert werden musste.

Am Donnerstagabend beschloss der Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat in Berlin nun das Jahressteuergesetz 2013. Artikel 2 sieht darin eine Änderung des Einkommensteuergesetzes vor, dass künftig die Kosten für die Batterie zu einem bestimmten Satz gegengerechnet werden können – bis zu einem Höchstbetrag von 10.000 Euro pro Fahrzeug. Umweltverbände wie Autohersteller lobten die Entscheidung, denn dadurch werde es attraktiver, die abgasarmen Elektromobile zu fahren.

Als der Vermittlungsausschuss am Donnerstagabend sich auf das Gesetz einigte und damit auch die Steuerförderung beschloss, saß auch Eckart von Klaeden (CDU) mit am Tisch. Der Staatsminister im Bundeskanzleramt sorgt als Bund-Länder-Koordinator für die Vorbereitung solcher Sitzungen auf Seite der Regierungsfraktionen.

Und von Klaeden hatte gleich doppelten Grund zur Freude. Nicht nur ist es ihm als Koordinator kurz vor der Sommerpause endlich gelungen, das Jahressteuergesetz auf den Weg zu bringen. Von Januar an wird Klaeden neuer Cheflobbyist des Autoherstellers Daimler. Und, richtig, zu den Marken des Daimler-Konzerns zählt auch der Smart.

Als der Wechsel des 47-Jährigen aus Merkels Kanzleramt zu Dieter Zetsches Weltkonzern vor zehn Tagen bekannt wurde, verlangte die Opposition den sofortigen Rückzug des CDU-Politikers aus dem Kanzleramt, schließlich ließen sich Interessenskollisionen nicht ausschließen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) indes wollte davon nichts wissen. Als Staatsminister im Kanzleramt sei von Klaeden der Beauftragte für den Bürokratieabbau, ließ sie Regierungssprecher Steffen Seibert ausrichten. Es gebe „also keinen inhaltlichen Zusammenhang seiner Arbeit mit dem Automobilkonzern“, sagte Seibert am 29. Mai. Und weil Klaeden seien Wechsel so frühzeitig transparent gemacht haben, sei ganz klar, dass es in Zukunft auch keine Verquickung geben werde. Acht Tage in der Zukunft bestand sie dann plötzlich doch, die Verquickung. Gestört hat das aber niemanden, bis jetzt.