Die Zeiten, in denen Studenten an der Kasse im Supermarkt saßen, um ihr leeres Konto ein bisschen aufzufüllen, sind vorbei. Exklusive Nebenjobs sind angesagt. Chauffeur, Organtransporteur oder Rettungsschwimmer. Diese Wörter scheinen sich schon zu vergolden, sobald sie aus den Mündern der dazu Auserwählten fließen.Wer etwas auf sich hält, versucht in den Club dieser Elite-Jobber aufzusteigen. Schließlich gibt es nichts Besseres, als mit stolz geschwellter Brust zu berichten, dass man am Wochenende wieder sein Leben für einen Ertrinkenden in den haushohen Fluten der Ostsee aufs Spiel gesetzt hat. Abgesehen von den Adrenalinschüben, die es auszuhalten gilt, wenn ein D- oder E-prominenter Fahrgast dem studentischen Chauffeur sein Fahrtziel anvertraut. (Dass mit "Chauffeur" in Wahrheit nur der hunds-ordinäre Taxifahrer gemeint ist, wird vom Großmaul-Jobber natürlich nicht verraten.) Das Staunen der Normalo-Kommilitonen ist einem gewiss.Herzklopfen ist auch garantiert, wenn es darum geht, auf dem schnellsten Weg eine Leber oder Niere zum Empfänger zu verfrachten. Bei stuntman-ähnlichen Aktionen kommt dann auch das größte Organ des Menschen ganz schön ins Schwitzen. Kein Wunder also, dass die armen Schlucker, die immer noch als Kellner, Kassierer oder Hiwis die Hitlisten der studentischen Nebenjobs anführen, blass vor Neid werden. Ihnen bleibt weiterhin nichts anderes übrig, als ihren Lebenslauf mit abgedroschenen, unspektakulären Auslandsaufenthalten in Australien oder Neuseeland aufzumotzen.Wenn man schon zu solch verzweifelten Mitteln greifen muss, sollte man wenigstens versuchen, dort einen Fuß in die gehobene Klasse der Angeber-Nebenjobs zu bekommen. Wunderbar anbieten würde sich etwa eine Tätigkeit bei strahlendem Sonnenschein auf hoher See: als illegaler Robbenfänger oder Haijäger. Blut und Action kommen schließlich immer gut an. Wieder heimgekehrt, könnte der Held mit diesen Erfahrungen selbst einen muskelbepackten, braungebrannten Studenten übertrumpfen, der nebenbei als Bodyguard seine Croissants verdient. Dieser wird sogleich alle Hebel in Bewegung setzen, um auch ein Bein in das attraktive Boot dieses Gewerbes zu schwingen.Sollte dem Robbenfänger letztlich die unangenehme Frage gestellt werden, wie er denn an seinen spektakulären Job gekommen sei, empfiehlt es sich, einer alten Weisheit gemäß erst einmal zu genießen und zu schweigen. Ansonsten bliebe ihm in diesem Fall nämlich nur noch eins zu sagen: Petri Heil, ich bin halt geil.