HÖNOW Die Egon-Schultz-Schule in Hönow heißt seit kurzem "Gebrüder Grimm"-Grundschule. Die Namensänderung hat heftige Kontroversen unter den Gemeindevertretern ausgelöst.Eigentlich sah alles nach einer reinen Formalität aus: Der Gemeindevertretung lag ein Antrag der Schulkonferenz vor, sie möge beschließen, daß die Grundschule fortan "Gebrüder-Grimm-Grundschule" heißen soll. Die Kommune als Träger der Bildungseinrichtung muß letztendlich den Namen billigen. Auch die Schüler hatten sich mehrheitlich für die berühmten Märchensammler entschieden. Im Endausscheid waren auch solche Namen wie "Pippi Langstrumpf" und "Schule im Grünen", berichtete der Vorsitzende der Schulkonferenz, Horst Thimmig, den Abgeordneten.Trotzdem ging die Namensverleihung nicht glatt über die Bühne. Mehrere Gemeindevertreter kritisierten den Antrag. Die Schule habe einen Namen, argumentierten sie. Sie heiße nach wie vor "Egon Schultz" - nach einem 21jährigen DDR-Grenzsoldaten, der 1964 an der Berliner Mauer erschossen wurde. "Der Name scheint seit 1990 abhanden gekommen zu sein", so Bürgermeister Wolfgang Schüler (Bürgerkomitee) lakonisch. Wer den Namen über dem Schuleingang entfernen ließ, ist nicht mehr feststellbar. "Unter Egon Schultz ist die Grundschule schon seit Jahren nicht mehr beim Schulamt gemeldet", berichtete Madeleine Bertz, zuständige Sozialamtsleiterin von Hoppegarten.Damit war die Verwirrung groß. Ging es statt einer Namensgebung um eine Umbenennung und müsse deshalb nicht zuvor der alte Name abgelegt werden? Madeleine Bertz beruhigte die Gemüter. "Die Gemeinde", so erklärte sie, "kann beschließen, wie die Schule heißen soll. Egal, ob sie vorher einen Namen trug oder nicht."Doch so einfach wollten es sich die Gemeindevertreter nicht machen. "Kaum einer hat aus der Geschichte die Lehren gezogen", kritisierte Konrad Dürsch (Bürgerkomitee). Das werde besonders bei Namensänderungen von Straßen in Berlin deutlich. Es bringe nichts, einfach nur Namen auszutauschen. "Man muß sich zu seiner Vergangenheit bekennen." Auch Sigrid Dickscheit wandte sich entschieden dagegen, die bestehenden Namen einfach zu ändern.Die Befürworter einer Namensänderung führten ins Feld, früher seien die Schüler nicht gefragt worden. Heute hätten sie sich demokratisch für einen neuen Namen entschieden. Deshalb solle das Gebäude "Gebrüder-Grimm-Schule" heißen. Das "Ja" dafür war dann allerdings äußerst knapp.Auch der bei der Namensverleihung eingeweihte Gedenkstein auf dem Schulhof wurde zum Stein des Anstoßes. Doch kategorisch lehnte Wolfgang Schüler den Antrag der Schulkonferenz ab, den Gedenkstein für Egon Schultz mit der Inschrift "Unser Vermächtnis - Vorbild der Jugend" entfernen zu lassen. "Es gibt keinen Grund, darüber zu diskutieren. Wir müssen lernen, mit unseren Denkmälern zu leben", sagte er. Diesem Gedanken schlossen sich auch die Gemeindevertreter an. +++