Ehefrau zu Hause erschossen: Polizist wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

Die Familientragödie geschah aus Versehen: Polizist Henry G. hantiert mit seiner Dienstwaffe im Schlafzimmer der Rudower Wohnung. Plötzlich löst sich ein Schuß. Seine Ehefrau wird getroffen, bricht tot zusammen. Gestern hatte sich der 33jährige Familienvater für das Unglück vor dem Amtsgericht Tiergarten zu verantworten. Das Urteil: 14 Monate Haft auf Bewährung wegen fahrlässiger Tötung Es war kurz nach 19 Uhr, an jenem 4. Juni 1996. Während seine Frau das Abendbrot herrichtet, geht G. ins Schlafzimmer, legt seine Uniform für den nächsten Tag zurecht und holt seine Dienstwaffe mit Munition aus dem Schrank. "Streifenfertig" will er sie machen. Dazu schiebt er entgegen allen Vorschriften das Patronenmagazin in die SIG-Sauer-Pistole und lädt sie durch. "Plötzlich dachte ich an die Kinder im Nebenzimmer und wollte wieder entladen." Doch der Polizist, der erst drei Monate zuvor seine Ausbildung beendet hatte, hält die Waffe nicht vorschriftsmäßig gesenkt, sondern seitlich. Auch die Finger spreizt er nicht ab und gerät so an den Abzug. "Es gab einen fürchterlichen Knall", erzählt Henry G. mit tränenerstickter Stimme. Das Geschoß geht ins offene Kinderzimmer und trifft seine Frau, durchschlägt Lunge und Herz. "Sie ging ein paar Schritte, dann brach sie zusammen." Für den Staatsanwalt ist die Waffenhandhabung ein "eklatanter Verstoß" gegen Dienstvorschriften. Henry G. brachte seit seinem Einsatz auf einem Marzahner Revier auch die Dienstwaffe regelmäßig mit nach Hause. "Nach dem dort Kollegen erschossen worden sind, sagte meine Frau, daß ich das ruhig tun soll", berichtet der Angeklagte. Inzwischen ist er im Innendienst ohne Waffe beschäftigt. Die Wohnung hat er aufgegeben und lebt mit den Kindern bei seinen Eltern. Mit dem Strafmaß ist eine zwangsweise Entlassung aus dem Polizeidienst nicht verbunden. Das Gericht berücksichtigte damit, daß der Vater mit seinem Einkommen auch den Unterhalt für seine Kinder bestreiten muß. Dave und Sara sind seit dem Unglück in psychiatrischer Behandlung. (tp.)