Das renommierte Institut für technische Weiterbildung (iTW) steckt In der Krise. 937 000 Mark fehlen auf dem Konto. mehr als zehn Mitarbeiter müssen entlassen werden.Die Institutsangehöngen machen den ehemaligen Direktor Jürgen Tippe für den desolaten Zustand verantwortlich. Tippe war, wie berichtet, am 21. Januar überraschend zurückgetreten, weil bekannt wurde, daß er sich 100 000 Mark Erfolgsprovlslon vorzeitig hatte auszahlen lassen. Gleichzeitig hatte er sein Amt als Gründungsrektor der Fachhochschule für Wirtschaft und Technik In Karlshorst niedergelegt.1967 gegründet"Herr Tippe hat nicht auf die konjunkturelle Entwicklung und die Einbrüche Im Weiterblldungsberelch reagiert", sagt Günther Fürstenau. Fürstenau hatte die 1967 Im Westtell Berlins gegründete gemneinnützige Elnrichtung 14 Jahre lang geleitet, bevor Tippe 1992 zum Direktor gekurt wurde. Damals war die Welt noch in Ordnung. Das Institut, das ohne staatliche Gelder auskommt, blickte stolz auf die Zusammenarbeit mit Hochschulen und Wirtschaftsunternehmen.45 Mitarbeiter wurden zu diesem Zeitpunkt beschäftigt, zehn Schulungszentren unterhalten. Rund 350 Dozenten unterrichteten in den Bereichen Wirtschaftswlssenschaften, Technik und Management. Und drei Millionen Mark lagen auf dem Konto. "Für kritische Zeiten", so Fürstenau, der nun das ITW ("einmalig in Deutschland") retten will.Seine Erfahrung wird Im ITW dringend gebraucht. Etwa ein Drittel der Mitarbeiter muß gehen, acht wurden schon entlassen. "Einvernehmllch", betont Fürstenau. Das ITW versuche, den Personalabbau sozialverträglich umzusetzen. "Wlr müssen die Zahl der Beschäftigten auf 20 reduzleren, um aus den roten Zahlen zu kommmen", so Ftirstenau. Sein Ziel: "1995 ein ausgeglichenes Konto. 4 Tippe habe sich überschätzt, zu viel In den Ausbau des Instituts Investiert, nicht auf den zurückgehenden Bildungsbedarf geachtet und vor abem die Miet- und Personalkosten Ignoriert, meint Fürstenau.Auch persönlich scheint Jürgen Tippe, der als Hochschullehrer, ehemaliger Rektor der Technischen Fachhochschule im Westteil Berlins und auch als Gründungsrektor der FHTW sehr großes Ansehen genießt, zu dieser Zeit nicht zurechtgekommen zu sein. Tippe hat sich nicht nur 100 000 Mark vorzeitig auszahlen lassen, sondern sich auch laufend Provisionen bewilligt, die ihm in dieser Höhe nicht zustanden. So flossen weitere 440 000 Mark auf sein Konto. "Er hat aber alles mit Zinsen zurückgezahlt", betont Fürstenau. Insgesamt 586 000 Mark. "Das Institut hat keine Forderungen mehr an Herrn Tippe."Acht SchulungszentrenDie Unruhe unter den Mitarbeitern Ist aber unverändert groß. Der gute Ruf der Weiterbildungsinstltution sel nachhaltig beschädigt worden, kritisieren sie. Derzeit sind Dozenten an acht Schulungszentren tätig. Je eines Ist in Güstrow und Dresden, sechs sind In Berlin. Rund 60 Prozent der Kursteilnehmer kommen aus den neuen Ländern.Christine Richter