BERLIN, 4. Juni. Fritz Fuchs, 55, hat sich total unglaubwürdig gemacht. Am Dienstag vormittag griff er zum Telefon und kündigte völlig überraschend seinen gutdotierten Job als Cheftrainer des Berliner Regionalligisten 1. FC Union.Zwei Todesfälle in der Familie nannte Fuchs als Beweggrund und außerdem, so tat er gegenüber Union-Präsident Heiner Bertram kund, sei er dem Druck der Berliner Öffentlichkeit nicht mehr gewachsen. Mit Fuchs hatte Union das Saisonziel, den Aufstieg in die zweite Bundesliga, klar verfehlt. Am Freitag allerdings unterschrieb Fuchs einen Vertrag beim Regionalliga-Aufsteiger Rot-Weiß Essen, wo Vorgänger Klaus Berge vor vier Tagen zurückgetreten war. Plötzlich kann sich Fuchs dem Erwartungsdruck, der beim Traditionsverein aus dem Ruhrpott garantiert nicht geringer als bei Union ist, aussetzen? Viele Fragen bleiben offen an der Alten Försterei.Deal der "Kinowelt"Der plötzliche Trainerwechsel scheint ein Deal zwischen Fritz Fuchs und dessem Sohn Uwe zu sein. Letzterer, ehemaliger Bundesligaprofi in Köln, Kaiserlautern und Bielefeld, ist als sportlicher Berater von Michael Kölmel, dem Chef der Münchner "Kinowelt" umtriebig tätig. Neben dem 1. FC Union, den beiden Zweitligaaufsteigern Alemannia Aachen und Waldhof Mannheim, dem FC Sachsen Leipzig und Dynamo Dresden zählt auch Rot-Weiß Essen zur Klientel von Kölmel. Der unterstützt mit Millioneninvestitionen diese bislang finanziell klammen Vereine und sichert sich im Gegenzug AnteiIe an den Marketingrechten.Union-Präsident Bertram ist "menschlich enttäuscht". In der ersten Nachschau habe sich gezeigt, daß der Führungsstil von Fuchs viel zu autoritär gewesen sei. "Nicht mehr zeitgemäß", so Bertram. Der muß nun schnellstens einen neuen Trainer engagieren.Die Bewerber stehen Schlange. Bis zu 15 Fußball-Lehrer aller Coleur bieten ihre Dienste an. Horst Ehrmantraud, im Dezember 1998 beim Bundesligisten Eintracht Frankfurt entlassen, gehört dazu. Auch Horst Köppel, einst in Diensten des DFB und zuletzt in der japanischen J-League tätig, würde gern bei Union einsteigen. Weitere Bewerber: Henry Häusler (zuletzt BFC Dynamo) und Frank Engel (zuletzt in Ägypten). Auch der seit Monaten arbeitslose Jürgen Bogs, der zu DDR-Zeiten den BFC Dynamo zu zehn Meistertiteln in Folge führte, klopfte bei Union an. Letzterer wird aber kaum für den Cheftrainerposten in Frage kommen, wie Bertram sagt. Der Union-Präsident habe persönlich nichts gegen Bogs, der sicherlich ein Fachmann sei, aber die Historie verbiete wohl seine Tätigkeit an der Alten Försterei. "Das könnten wir unseren Fans nicht vermitteln", sagt Bertram.Im Tohuwabohu nach dem stillosen Abgang von Fritz Fuchs kann Heiner Bertram auch eine positive Nachricht verbreiten. Nachdem Bundesligist Hertha BSC Nationalspieler Marko Rehmer für rund sieben Millionen Mark verpflichtet hat, kann Union von diesem Transfer partizipieren. Rehmer ging im Januar 1997 für 400 000 Mark von Union nach Rostock und bringt "maximal 100 000 Mark in unsere Kasse", glaubt Bertram. Eine entsprechende Klausel sei bei Rehmers Weggang 1997 vereinbart worden.