Das Hauptstadtstudio des ZDF und die Berliner Repräsentanz des Veba-Konzerns werden künftig zusammen Unter den Linden residieren. Das ehemalige Kontorhaus "Zollernhof", das die "Freie Deutsche Jugend" 40 Jahre lang genutzt hat, wird zu diesem Zweck umgebaut. Gestern wurde das Bauprojekt vorgestellt."Die Errichtung eines Hauptstadtstudios in Berlin ist für uns eine der größten Herausforderungen der 90er Jahre", sagte gestern ZDF-Intendant Dieter Stolte während einer Pressekonferenz im Zollernhof. Er zeigte sich "außerordentlich glücklich", in der Veba einen Partner gefunden zu haben, dem die Wiederherstellung des unter Denkmalschutz stehenden Hauses ebenso am Herzen liege wie dem ZDF.Der Zollernhof soll bis zum Frühjahr 1999 für 300 Millionen Mark zu einem Erlebnis-, Büro- und Medienzentrum umgebaut werden. Einige Teile des Hauses werden abgerisssen, doch das Vorderhaus mit der historischen Fassade aus dem Jahr 1910 und die Treppenhäuser werden in das neue Projekt integriert. Außerdem wird das Dach des Vorderhauses nach alten Vorlagen rekonstruiert, um das Gesamtbild zwischen Pariser Platz und Schloßplatz zu erhalten. Die Fassade an der Mittelstraße wird neu aufgebaut und der Innenhof der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.Das ZDF will künftig seine politischen und kulturellen Sendungen dort produzieren. "Kennzeichen D", das "Morgenmagazin", das Kulturmagazin "aspekte", Interviews und Gesprächsrunden mit dem Publikum und Sondersendungen wie das "ZDF spezial" werden Unter den Linden entstehen. Nach dem Regierungsumzug wird auch "Berlin direkt", anstelle von "Bonn direkt" von dort gesendet."Der Standort für das Fernsehzentrum eines Informationssenders könnte nicht idealer sein. An keinem anderen Platz unseres Landes ist die Realität des vereinigten Deutschlands so dicht wie in Berlin", meinte Stolte. Auch andere Studios wie der Österreichische Rundfunk und die japanische Fernsehanstalt TBS hätten bereits ihr Interesse angemeldet, im Zollernhof Büros zu beziehen. Das ZDF allein werde 300 festangestellten und etlichen freien Mitarbeitern Unter den Linden Arbeitsplätze bieten.Der Veba-Konzern, der im Kohle-, Energie-, Chemie- und Dienstleistungsbereich aktiv ist, will weitere 150 Stellen schaffen. Die Tochterfirma Veba-Immobilien wird das Vorderhaus und den östlichen Seitenflügel nutzen. Im vierten und fünften Geschoß des Lindenflügels soll die Veba AG ihre Hauptstadtrepräsentanz einrichten.Die Veba kehrt mit dem Einzug in den Zollernhof quasi an ihre Wurzeln zurück, denn 1929 wurde sie nur wenige Straßen entfernt vom preußischen Handelsministerium gegründet. Heute hat sie allein in Berlin mehr als 6 000 Beschäftigte.Eine "tolle Adresse" nannte Ulrich Hartmann, der Vorstandsvorsitzende der Veba AG, den Zollernhof. Inmitten des zukünftigen Regierungssitzes werden künftig die Vorstands- und Führungskräfte des Konzerns ihre Hauptstadt-Kontakte pflegen. +++