Jonglieren kann er immer noch. Mehrere Gegenstände gleichzeitig durch die Luft wirbeln und wieder auffangen, das hat Christopher Flade einst bei Hops und Hopsi gelernt. Das war vor 17 Jahren, und die beiden Clowns mit den neckischen Namen waren eine der Attraktionen im Spreepark, Berlins Vergnügungspark mit Karussells und Shows im Plänterwald. Christopher Flade aus Tempelhof war damals vier Jahre alt. Heute ist er 21 und arbeitet in einem Hotel in Wedding. Doch der Spreepark, obgleich seit sieben Jahren Brache, fasziniert ihn noch immer. So sehr, dass er ab diesem Sonntag immer an den Wochenenden Interessierte über das Gelände im Plänterwald führen will."Ich habe als Kind meine Eltern ständig genervt, bis sie mit mir dorthin fuhren. Mir ist jedes Karussell vertraut, das sich im Park drehte", sagt er. Auch am 4. November 2001 war er dort. Auf den Eintritt gab es an diesem Tag fünf D-Mark Rabatt, offiziell "aus technischen Gründen", erzählt Flade. Sechs Karussells lagen da in Einzelteile zerlegt im Park. "Ich habe gespürt, dass dies nicht nur das Ende einer Saison war." Tatsächlich war dieser Tag der letzte, an dem der Spreepark geöffnet war. Als Flade wenige Wochen später erfuhr, dass sich die Betreiberfamilie mit sechs Karussells nach Peru abgesetzt hatte, war ihm klar: "Dass da was faul war, hätte jeder rechtzeitig ahnen können."Seit beinahe 40 Jahren gibt es Rummel im Plänterwald. Am 4. Oktober 1969, anlässlich des 20-jährigen DDR-Gründungsjubiläums, wurde der Kulturpark eröffnet. Von 1992 an lud dann der private Spreepark ein. "Und seit dessen Ende gibt es dort einen anderen Rummel", sagt Flade. Dabei geht es um Millionen-Schulden und die Frage, wie es auf dem gut 20 Hektar großen Areal im Landschaftsschutzgebiet Plänterwald weitergeht. Derzeit wird an Plänen für einen Themenpark "Lost Worlds" gearbeitet. Christopher Flade ist es egal, welches Projekt realisiert wird. "Ich will vor allem, dass die Menschen diesen tollen Ort am Spreeufer nicht vergessen." Für ihn ist der Spreepark zum Sehnsuchtsort geworden, zu dem er immer wieder zurückkehrt. Wo seit Jahren statt Kinderlachen und Jahrmarktsmusik Stille herrscht. Wo Unkraut über Karussellreste wuchert. Und wo er sich zuletzt nur noch ärgert: "Durch Vandalismus ist dort noch mehr zerstört worden, als ohnehin schon kaputt war."Ein Sicherheitsdienst patrouilliert nur sporadisch übers Gelände. Der Chef der Security-Firma Gerd Emge findet deshalb Flades Idee mit den Führungen sehr gut: "Wenn Besucher legal kommen können, gibt es vielleicht weniger Einbrüche", sagt er. Alles Geld, was mit den Führungen eingenommen wird, soll in mehr Sicherheit investiert werden.Damit finanziert sich Emges Firma quasi selbst. Denn seit einem Jahr, als der Insolvenzverwalter das Areal mangels Masse an die Spreepark GmbH zurückgegeben hat, erhält Emge kein Geld mehr. "Etwa 30 000 Euro sind aufgelaufen", sagt der Firmenchef. Ex-Betreiber Norbert Witte, der zuletzt wegen versuchten Kokain-Schmuggels im Gefängnis saß und jetzt wieder im Park lebt, bestätigt, dass er die Security nicht bezahlt. Emge hofft mit seinem Engagement aber auch auf die Zukunft: Sollte sich ein Investor finden, sagt er, könnte dieser das Engagement seiner Firma würdigen und diese weiter beschäftigen.15 Euro kostet die Teilnahme an einer Führung. Viel Geld fürs "Nur-mal-Gucken". Flade, der das Ganze ehrenamtlich macht, hält den Preis für angemessen: "Man bekommt dafür ja auch viele Geschichten und die Gelegenheit, Fotos zu machen."------------------------------SommerausflugAm Sonntag ist die erste Gelegenheit seit sieben Jahren zum Besuch im Spreepark. Um 10, 13, und 16 Uhr beginnen die Führungen für jeweils maximal 40 Besucher. Kosten: 15 Euro pro Person. Treffpunkt ist am alten Haupteingang. Bis Ende August finden die Führungen dann immer sonnabends und sonntags statt, zu denselben Uhrzeiten.Anmelden kann man sich auf der Homepage von Christopher Flade (oder von 12-20 Uhr unter T. 0176-831 43 138).Die Internetadresse lautet: www.berliner-spreepark.de------------------------------Karte: Anfahrt zum Spreepark am besten per S-Bahn, Parkplätze sind knapp.Foto: Christopher Flade vor den Resten der einstigen Familienachterbahn "Spreeblitz". Das Fahrgeschäft stand vom Beginn des Spreeparks bis zu dessen Ende dort.Foto: Vor dem 45 Meter hohen Riesenrad stehen Reste der einst riesigen Saurier.