Natürlich kennt er die Stadt, und ganz gewiss weiß er auch schon länger, dass sie ihn da wollen. Und dass auch er es will. Trotzdem war es gestern die Kulturnachricht des Tages: Der in New York lebende Nigerianer Okwui Enwezor, Kurator der so gerühmten wie wegen Theorielastigkeit auch kritisierten Documenta 11 in Kassel 2002, wird neuer Chef im Münchner Haus der Kunst. Das Karussell der hohen Museumsposten dreht sich flott, wie man sieht. Chris Dercon, der bisherige Haus-der-Kunst-Leiter, zieht weiter - besetzt ab April den Direktorensessel der Londoner Tate Modern.Enwezor, geboren 1963 im nigerianischen Kalaba, gilt, so verlautet es stolz aus der Münchner Staatskanzlei, wo die Berufung dingfest gemacht wurde, als "Spitzengestalt der internationalen Kunstszene". Ganz davon abgesehen, dass kein namhaftes Museum in Deutschland einen afrikanischen, sprich schwarzen Chef aufzuweisen hat, gibt es in den USA und in Europa auch kaum ein bedeutendes Kulturgremium, dem der umtriebige Enwezor nicht angehört: Der Mann ist Gastgelehrter des Independent Study Program am Whitney Museum of American Art in New York, Vizepräsident des San Francisco Art Institute sowie künstlerischer Leiter von Meeting Points 6. Er wurde außerdem vor kurzem zum Hauptkurator der Triennale Paris 2012 ernannt und ist auch kuratorischer Berater der "Dublin Contemporary 2011". Nicht zuletzt zählt er zum Beraterteam für das künftige Berliner Humboldtforum auf dem Schlossplatz.Mal sehen, ob die Münchner ihm diese kunstpolitische Promiskuität nachsehen oder ob sie sich zuvörderst vorstellen, dass er mehr anwesend ist und das Haus der Kunst zum Mekka des Gegenwartsgeschehens im Metier macht. Enwezor jedenfalls, der nun seinen Hauptjob als Kurator am Internationalen Zentrum für Fotografie in New York aufgeben muss, kündigt der bayerischen Metropole schon mal an, im Haus der Kunst eine "aufregende Plattform für Ausstellungen, Debatten und Ideen zu errichten".Wer nun glaubt, das Haus der Kunst werde zur Dependance schwarzafrikanischer Kunst, deren Unterrepräsentanz im Westen Enwezor vor Jahren beklagte - ja, was ihn einst als jungen Politologen in New York überhaupt erst zur Kunst geführt hat - der wird wohl bald sehen, dass Enwezor durch und durch New Yorker ist. Ein Global Player der Kunst, kein afrikanischer Kunstpatriot, eher einer mit westlichem Blick. Als Kurator der Johannesburg-Biennale 1997 ging es ihm eher darum, dort die westzentrierte Kunst zu präsentieren, als die afrikanische Kunst dem Rest der Welt zugänglich zu machen. So was nennt man dort "Kokosnuss": außen braun und innen weiß.