Woher hat Hollywood eigentlich seine abstrusen Ideen? Auf so etwas wie "E.T." oder "Akte X" kommt doch kein normaler Mensch. Und warum sehen die Film-Aliens eigentlich seit geraumer Zeit alle gleich aus? Nun, das Rätsel ist gelöst: In der seit jeher "berüchtigten" Area 51 hatte das FBI lange einen geheimen Informanten. Paul, unter anderem persönlicher Berater von Steven Spielberg, ist klein, grün und sozusagen allwissend. Sein Leben in der Wüstensperrzone war nicht schlecht, doch jetzt ist er ausgebüxt, um nach Hause zu telefonieren. Das Ergebnis: noch ein Alien-Film.Der geht aber nicht aufs Konto Hollywoods, sondern auf das der britischen Spaßmacher Simon Pegg und Nick Frost. Nach komödiantischen Perlen wie "Shaun of the Dead" und "Hot Fuzz" hätte man sich vielleicht mehr erhofft als ein billiges Roadmovie mit teurem grünen Spezialeffekt, aber dieser eine wirklich handfeste Witz des Films ist ihnen gut gelungen. Pegg und Frost spielen zwei britische Comic-Fans auf USA-Tour. Paul hüpft zu ihnen ins Wohnmobil, und ab geht's durchs Land der unbegrenzten Klischeemöglichkeiten.Denn nicht nur kindsköpfige Science-Fiction-Freunde, auch amerikanische Kreationisten, homophobe Rednecks und sonstige Hinterwäldler bekommen hier ihre unheimliche Begegnung der grünen Art. Paul ist ein schwieriger Charakter, der an solchen Scharmützeln seine helle Freude hat. Man könnte seine lässige Attitüde, die coolen Sprüche als aufgesetzt empfinden. Aber er weiß nun mal auf alles eine Antwort und braucht nicht nur zu glauben.Über Leute, die an etwas glauben, zum Beispiel an die Existenz von Außerirdischen, lacht er sich schlapp. Er entschuldigt sich dann umgehend, weil er ja auch weiß, warum wir armen Menschen uns an solche Ideen klammern. Der Film serviert uns sein Hauptanliegen, nämlich allerlei britisch-amerikanische Animositäten, zuvörderst als Klamauk. Doch eine kleine, hochaktuelle Atheismus-Debatte frei nach Richard Dawkins fügt sich da nahtlos ein.Verkauft wird "Paul - Ein Alien auf der Flucht" freilich als die Komödie mit dem unfassbar witzigen Weltallfreak. Ein rülpsender, kiffender, ordinär fluchender Alien, hat man das schon gesehen? Bei näherer Betrachtung ist das glubschäugige Fischgesicht realer als der nicht animierte Rest, das heißt: ein Mann. Er isst gern, macht Geräusche und pinkelt im Stehen. Er weiß, wie man sich benimmt, hat aber keine Lust dazu. Zu Frauen hat er kein rechtes Verhältnis, auf seinem Planeten gibt es eigentlich keine. Er käme gerne nach Hause, aber wo man ihm ein Bier reicht, fühlt er sich auch wohl. Wir haben gelernt, solche Typen als Witzfigur zu betrachten.Doch die außerirdische Gestalt bewirkt eine seltsame Transformation: In einem ganzen Haufen unreifer Kindmänner ist Paul als einziger keine Witzfigur, sondern ein geradezu klassischer Kinoheld, wie es sie kaum mehr gibt. Aber für solche Projektionen und Wunschbilder sind Außerirdische ja da. Der Witz ist natürlich, dass Paul das weiß. Er hatte ja die Idee.-----------------------Paul - Ein Alien auf der Flucht (Paul) Großbritannien/Frankreich/USA 2010. Regie: Greg Mottola, Drehbuch: Simon Pegg, Nick Frost, Darsteller: Simon Pegg, Nick Frost, Kristen Wiig, Jason Bateman, Bela B. (Stimme Paul) u. a.; 103 Minuten, Farbe.------------------------------Foto: Alles eine Frage der Perspektive: Der einzig Normale hier ist der kleine, grüne Paul.