Vor ziemlich genau zehn Jahren kam einer der größten Skandale des deutschen Fernsehens ans Licht. Damals, Anfang 1996, stellte sich heraus, dass der freie TV-Produzent Michael Born etliche Beiträge für politische Magazine gefälscht hatte. Seine brisanten Reportagen waren zwar reine Erfindungen, empörten aber die Öffentlichkeit und waren damit sichere Garanten für hohe Einschaltquoten.So stellte ein Bericht Borns über eine indische Teppichmanufaktur den schwedischen Möbel-Multi Ikea an den Pranger, weil der angeblich Kinder unter katastrophalen Bedingungen Teppiche für den deutschen Markt knüpfen ließ. Tierschützer regten sich auf, als sie in einem Born-Film sahen, wie Jäger herumstreunende Katzen abschossen. Und Zuschauer gruselten sich über einen in der Eifel gedrehten Beitrag, in dem Ku-Klux-Klan-Mitglieder ein Kreuz verbrannten und mit der Ermordung von Juden drohten. Mit diesem Beitrag war Born zu weit gegangen. Er rief die Staatsanwaltschaft auf den Plan. Im Zuge der Ermittlungen und des späteren Prozesses wurde klar, dass der Autor mindestens 20 Filme gefälscht hatte. Im Dezember 1996 wurde Born zu vier Jahren Haft verurteilt.Der Journalist Thomas Pritzl zeichnet in seinem Buch "Der Fake-Faktor", erschienen im Münchner Kopaed-Verlag, den Skandal noch einmal nach. Er konzentriert sich dabei auf das RTL-Magazin "Stern TV", das damals die meisten der Born-Beiträge ausgestrahlt hatte, und auf dessen Moderator Günther Jauch. Vor allem will Pritzl zeigen, wie die "Stern TV"-Redaktion ebenso wie Jauch selbst durch eine Strategie des Mauerns die Aufklärung des Skandals erschwerten und so die Kritik anderer Medien auf sich zogen. Chronologisch beschreibt er die Fehler im Umgang mit der Öffentlichkeit, nachdem am 17. Januar 1996 die ersten Details der Machenschaften Borns bekannt geworden waren. Pritzl reiht dafür eine Vielzahl von Zitaten aus Pressemitteilungen, Agenturmeldungen und Zeitungen aneinander.Ein "Medienkrimi", wie auf dem Einband versprochen, ist das Buch jedoch nicht. Zu eindimensional ist die Konzentration auf den Moderator Jauch. "Spurensuche" nennt Pritzl eines der ersten Kapitel seiner Dokumentation, und diese Bezeichnung ist weit passender. Irritierend ist zudem der knappe Sprachstil, der an die fast reißerischen Moderationen der gescholtenen Polit-Magazine im Fernsehen erinnert. Bereits auf den ersten Seiten erfährt der Leser etwa, dass Jauch zu einem "Getriebenen der Medien" wird. Der künstlichen Aufgeregtheit wird das Buch aber nicht gerecht - eine gelassenere Beschreibung wäre nach einer Dekade angemessener gewesen.Ein Verdienst Pritzls ist es hingegen, dass er die fast vergessenen Manipulationen und die Diskussionen um die Glaubwürdigkeit des Fernsehens in Zeiten des Quotenkampfes in Erinnerung ruft. Denn das Ringen um Werbegelder wird weiter ausgefochten. Heute bringen andere Skandale die Branche in Misskredit, etwa das Platzieren von Schleichwerbung in TV-Serien. Offenbar ist das Fernsehen anfällig für Missbrauch.------------------------------Foto: Das Buch erschien im Kopaed-Verlag und kostet 9,80 Euro.