PRENZLAUER BERG. In Gedanken hat Christoph Klemke das alte Haus schon umgebaut. Aus dem früheren Wachraum wird ein gemütliches Café, in die Büros der Polizeibeamten ziehen Musiker, Produzenten, Film- und Theaterleute. In der Polizei-Kantine laufen abends Kinofilme. Die Räume der Waffenkammer nutzt eine Musikschule und im Gefängnistrakt im Keller führen Schauspieler ein Theaterstück auf. "Das Haus bietet so viele Möglichkeiten", sagt Christoph Klemke.Der 35-jährige Medienpädagoge, der 2004 das Medienhaus Am Senefelderplatz eröffnete, will jetzt auch das Polizeigebäude direkt gegenüber zum Kulturhaus für kreative Künstler machen. Seit sechs Jahren steht das Backsteinhaus in der Schönhauser Allee 220 leer. Klemke will es mieten. 200 000 Euro würde der Umbau kosten.Künstler aus allen Richtungen sollen dort unter einem Dach arbeiten. Tonstudios und Schnittplätze wird es geben, Proberäume und Büros von Agenturen und Medienbüros. Das Haus mit seinen 1 900 Quadratmetern auf fünf Etagen könnte sofort genutzt werden. "Interessenten gebe es genug", sagt Klemke. Doch wegen komplizierter Eigentumsverhältnisse und andauernden Verhandlungen zwischen Jewish Claims Conference, Jüdischer Gemeinde und Senatsfinanzverwaltung hat es noch keine Einigung über einen Mietvertrag gegeben.Wie ein Museumsdirektor führt Klemke Besucher durch das Haus. Vom Keller bis zum Boden. Alles sieht noch so aus, wie es die Polizei vor sechs Jahren verlassen hat. Die Heizung hält das leere Haus warm, der Lastenaufzug funktioniert noch, auch Licht und Toiletten sind in Ordnung. Noch kurz vor dem Auszug wurden einige Räume frisch gefliest. In einigen Räumen gibt es abgehängte Decken, die den Schall schlucken, unten liegt ein Schwingboden. "All das kann so bleiben", sagt Feline Lang von der Theatergruppe Canteatro. Sie will einen Raum für Proben ihrer Tanztruppe nutzen.Im Keller sieht es aus wie in einem Horrorkabinett. Sechs Zellen liegen hintereinander. Vor dicken Stahltüren mir Riegeln und Luken hängen Haken an der Decke. "Dort wurden die Handschellen der Gefangenen eingehängt, wenn der Wärter die Zellentür aufschloss", sagt Klemke. In jeder Zelle steht ein schmaler Tisch, ein Hocker, eine Pritsche. "Schlüssel in der Geschäftsstelle", ist auf einem vergilbten Schild an der Zellentür zu lesen. Im Oktober 1989 sollen hier Demonstranten eingesperrt worden sein, die vor der Gethsemanekirche demonstriert hatten. Ein paar Kellerräume weiter steht ein altes Notstromaggregat. Bei Stromausfall sollte die Polizisten nicht im Dunkeln sitzen. Die Zuständigen haben das Protokollheft akkurat geführt. 27 Jahre lang, von 1973 bis 2000 testeten sie das Gerät regelmäßig im Probelauf. "O.B." steht etliche Male im Heft. Ohne Beanstandung. Den letzten Eintrag gab es am 12. Juni 1990.Im ersten Stock leuchten die Bürotüren in roter Farbe. Kontaktbereichsdienst steht an einigen Zimmern, darunter die Namen der Polizisten. Alles will Klemke erhalten. Im obersten Stock werden Tonstudios entstehen. Mit dem Lastenaufzug könnten die Musiker schwere Boxen und Verstärker nach oben hieven. Auch Gästezimmer für Musiker und ein Kindergarten mit Nachtbetrieb ist geplant.Der Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde, Michael May, kennt die Pläne von Klemke. "Wenn hier ein Kulturhaus für kreativ Künstler entsteht, ist das ganz im Sinne der Jüdischen Gemeinde", sagt er. Es stehe nur nicht fest, wann die Jüdische Gemeinde das Gebäude erhalten werde. "Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen." In die will sich jetzt auch Pankows Kulturstadträtin Almuth Nehring-Venus (Die Linke.PDS) einmischen. "Kreative Künstler bringen viel Bewegung in dieses Viertel", sagt sie. So lange muss sich Christoph Klemke gedulden. Und baut weiter am Kulturhaus. In seinem Kopf.------------------------------Einst ein AltenheimKarte: Das alte Backsteingebäude an der Schönhauser Allee neben dem Jüdischen Friedhof war einmal ein Altersheim, die 2. Altersversorgungsanstalt der Jüdischen Gemeinde. Nach 1945 zog dort die Polizeiwache Prenzlauer Berg ein, die Staatssicherheit nutzte ein daneben liegendes Gebäude für Lagebesprechungen.Das Gebäude sollte der Jewish Claims Conference übertragen werden, die Jüdische Gemeinde zu Berlin meldete Eigenbedarf an. Zurzeit verwaltet das Land Berlin die Immobilie und wird es der Jüdischen Gemeinde übergeben. Wann das sein wird, steht noch nicht fest.------------------------------Foto: Seit sechs Jahren steht das Haus leer, ist aber noch funktionstüchtig.------------------------------Foto: Im Keller befinden sich sechs Zellen. Dort sollen im Oktober 1989 Demonstranten eingesperrt worden sein.