Es gibt ein sicheres Rezept für den Erfolg: vermeide Niederlagen. Wer niemals fällt, muss nicht das Aufstehen üben, wer immer steigt und steigt und steigt, muss an den Absturz keinen Gedanken verschwenden. Margarita Mathiopoulos zum Beispiel beherrscht zwar fünf Sprachen, vermutlich aber fällt ihr in keiner zu ihrer Person der Begriff "Niederlage" ein. Nur sinistre Figuren behaupten, mit einer solchen habe 1987 Frau Mathiopoulos Karriere begonnen. Damals hatte Willy Brandt gegen den erbitterten Widerstand seiner Partei die 29-Jährige zur Sprecherin des SPD-Vorstands zu ernennen versucht - vergeblich. Doch unterlegen ist seinerzeit nur der viel geliebte Vorsitzende der deutschen Sozialdemokratie, nicht aber die damalige Verlobte - und heutige Frau - des CDU-Politikers Friedbert Pflüger, denn seither steht sie unablässig dort, wo der Erfolg seine Heimstatt hat - im Licht der Öffentlichkeit. Ihre stupende Begabung, Niederlagen einfach nicht zuzulassen, hat sie vermutlich spätestens auf der Universität gelernt Zwar hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung ihr vorgehalten, sie habe die "Orientierung an der regulativen Idee der Wahrheit" aufgegeben, nachdem sie ihre Doktorarbeit ("Geschichte und Fortschritt im Denken Amerikas") in Teilen ohne Nachweis aus Standardwerken abgeschrieben habe. Doch wer will darin im Ernst schon eine Niederlage sehen? Gewiss nicht Margarita Mathiopoulos - ohne die Promotion wäre sie heute kaum Honorarprofessorin für Amerikanische Politik und Internationale Beziehungen an der Technischen Universität Braunschweig und ganz bestimmt nicht Geschäftsführende Direktorin des Forschungszentrums für Sicherheitspolitik in Potsdam. Na bitte.Was ist erfolgreicher als der Erfolg? Das Leben von Margarita Mathiopoulos. Was aber ist noch erfolgreicher als Margarita Mathiopoulos? Natürlich das "Projekt 18 Prozent" der FDP am Wahlabend des 22. September. Nichts ist darum natürlicher, als dass sich Leben und Projekt verbünden. Soeben hat Mathiopoulos ihren Eintritt in die FDP erklärt: "Es ist erfrischend, dass die FDP seit jeher ein unbelastetes Elitebewusstsein hatte." Das entspricht ganz dem Bewusstsein des Neu-Mitglieds. Belastungen aller Art wusste es stets zu vermeiden, auch von seinem Gedächtnis wird es offenbar nicht spürbar gedrückt. Vor fünf Jahren plädierte die einst verhinderte SPD-Vorstandssprecherin öffentlich für eine große Koalition: "Bei den unterschiedlichen Mehrheiten im Bundestag und Bundesrat geht es nur mit einer gemeinsam vereinbarten Politik der beiden großen Parteien." An den unterschiedlichen Mehrheiten hat sich seitdem nichts geändert, geändert hat sich freilich die Lage von Margarita Mathiopoulos. Heute spricht nicht mehr die parteilose Genossin, sondern die 45 Jahre alte Jungliberale, und sie entsetzt "der Filz der großen Parteien CDU und SPD, ihr Unwille, herkömmliche Strukturen aufzubrechen, das Schreckgespenst einer ,cohabitation allemande , zu Deutsch: große Koalition, die nach dem 22. September den Stillstand in unserem Land noch zementieren würde".Merke: Der Erfolgreiche kennt keine richtigen oder falschen Ansichten, nur Ansichten zur richtigen oder zur falschen Zeit.