Spielberg, Fortsetzung von Seite 1---an. Spielberg hatte auf seine liebsten Spielsachen die Tricktechnik, die Spezialeffekte, das Happy-End verzichtet, mit deren Hilfe beispielsweise "E.T." einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten wurde. Und alle hämischen Worte verstummten: "Gereifte Kreativität" wurde dem Meister des Unterhaltungskinos zuerkannt, der "einen visuell eindrucksvollen, intellektuell fesselnden Film hervorgebracht" hätte. "Schindlers Liste", die Geschichte des Unternehmers Oscar Schindler, der während des Zweiten Weltkriegs mehr als 1 200 Juden vor dem Konzentrationslager gerettet hat, wurde mit drei "Golden Globes" und sieben "Oscars" ausgezeichnet.Von dem Erlös aus "Schindlers Liste" rund 60 Millionen Dollar gründet Spielberg im Sommer 1994 die "Shoah Foundation": "Eine Stiftung, deren Ziel es ist, auf der ganzen Welt Interviews mit den Überlebenden des Holocaust zu führen, deren Zeit jedoch unwiderbringlich verrinnt", so formuliert er das Ziel. Heute sind 48 000 dieser Gespräche aufgezeichnet, und der 51jährige will sie zum "globalen Lehrmittel über den Holocaust" aufbereiten: Irgendwann sollen Schulen in aller Welt elektronisch zugreifen können auf die Video-Interviews, die in Los Angeles, dem Sitz der Shoah-Stiftung, per Computer digitalisiert werden. Eine interaktive CD-ROM mit Augenzeugenberichten von vier Überlebenden ist veröffentlicht. Und die Wahl der Sprecher die Schauspieler Leonardo DiCaprio und Winona Ryder ist klug, erhöht sie doch die Aufmerksamkeit des angestrebten jungen Publikums. Für diese Leistungen der Shoah Foundation und für "Schindlers Liste" erhält Steven Spielberg heute abend im Schloß Bellevue von Bundespräsident Roman Herzog das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, wie die Auszeichnung korrekt-umständlich heißt. Gestern hat er das frühere Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin besucht, heute vormittag diskutiert er mit Charlottenburger Schülern über den Holocaust. Vielleicht kann er dabei noch dazulernen: "Nach der schrecklichen Vergangenheit weht nun ein neuer Wind" diese späte Wahrnehmung klingt nach einem sehr langen Aufenthalt in der Traumfabrik.