Mit einem Tyrannosaurus Rex, der ihm aus seinem Leben erzählt, würde er gern mal einen Abend verbringen. Das fiel Steven Spielberg der sich regelmäßig auf den vorderen Plätzen der "Forbes"-Liste der amerikanischen Bestverdiener wiederfindet vor nicht allzu langer Zeit auf die Frage nach seinen Wünschen ein. An das Bundesverdienstkreuz, mit dem er heute in Berlin ausgezeichnet wird, hat der Regisseur, der mit seinen 15 Filmen vier Milliarden Dollar eingespielt hat, damals wohl weniger gedacht. Noch 1993 ließ er sich von Annie Leibovitz als großes Kind, das nicht erwachsen werden will, inmitten von Plüschtieren fotografieren. Als er sich wenig später für den Schnitt von "Jurassic Park" die Bilder über riesige Parabolspiegel nach Krakau übertragen ließ, weil er bereits am nächsten Projekt saß da war er sehr abrupt erwachsen geworden. Der in Ohio geborene Spielberg, der erst mit 17 Jahren erfahren hatte, daß Mitglieder seiner aus der Ukraine stammenden Familie in Konzentrationslagern umgebracht worden waren, hatte seine jüdische Vergangenheit entdeckt, die die Eltern jahrzehntelang abzustreifen versucht hatten. Und er machte sich den Richtungswechsel in seinem Leben nicht leicht: "Ich habe mich damals geschämt, ein Jude zu sein", gestand er ein. Der Grund dafür war allerdings läßlich: Seine Familie sei die einzige ohne Christbaum gewesen.Amerikas Entertainment-Branche belohnte die neue Ehrlichkeit dann auch mit dem bösen Wort "Roger Rabbit goes Rabbi". Und man spottete: "Erst die Millionen, dann die Moral." Denn ein wenig Verwunderung darf wohl erlaubt sein, wenn jemand binnen weniger Monate zuerst ausgestorbene Dinosaurier zum Leben erweckt und dann die Ermordeten von Auschwitz. Ende 1993 lief der in Polen ausschließlich an Originalschauplätzen gedrehte, drei Stunden lange Schwarzweißfilm "Schindlers Liste" in den amerikanischen Kinos(Fortsetzung Seite 2)