Ein alter Haftbefehl aus der Ära des Slobodan Milosevic soll Schuld daran gewesen sein, dass der kosovo-albanische Politiker Hashim Thaci in der Nacht zum Dienstag für mehrere Stunden auf dem Flughafen Budapest festgehalten wurde. Aber es kamen rasch Zweifel auf, ob eine so prominente Figur ganz irrtümlich in die Fänge einer fremden Polizei geraten kann. Thaci jedenfalls lebt seit Jahren und nicht nur auf Auslandsreisen mit der Gefahr einer Verhaftung. Diesmal intervenierte der scheidende Kosovo-Gesandte der Uno, Michael Steiner, für ihn. Das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag beeilte sich zu erklären, es habe mit der Sache nichts zu tun. Genau das aber ist die Seite, von der dem Manne Gefahr droht.Hashim Thaci ist eine Schlüsselfigur in der politischen Szene des Kosovo, auch wenn sich die Gunst der internationalen Verwalter schon öfter wandelte. Während der Verhandlungen auf Schloss Rambouillet bei Paris im März 1999, als der drohende Krieg abgewendet werden sollte, fiel das Auge der US-Außenministerin Madeleine Albright auf den 28-Jährigen, der ihr flexibler und gewandter vorkam als die starren Honoratioren der Kosovo-Albaner. Sie beförderte Thaci zum Verhandlungsführer und trotzte ihm die Unterschrift unter ein Autonomiestatut ab. Das Dokument blieb wertlos, weil die serbische Seite es ablehnte. Aber die Investition hatte sich, wie es schien, gelohnt: Thaci galt fortan als Garant für die Zivilisierung der radikalen Truppe. Auf den Rat der internationalen Verwalter hin gründete er die "Demokratische Partei des Kosovo" (PDK). Man glaubte, sie würde die ersten Wahlen haushoch gewinnen. Aber es kam anders: Sieger blieb die "gemäßigte", vor allem starre und inaktive "Liga" unter dem heutigen Präsidenten Ibrahim Rugova. Erst nach der Wahl entsann man sich einiger Merkwürdigkeiten aus der Zeit davor: Liga-Kandidaten im Drenica-Gebirge, Thacis Hochburg, waren erschossen worden. Die Partei Thacis hatte sich nach dem Nato-Einmarsch die Tankstellen gesichert und Schutzgelder eingetrieben. Thacis Stern sank weiter, als sein Bruder Gani mit einer halben Million Dollar in bar erwischt wurde - offensichtlich aus Bau-Importen abgezweigt. Thaci wurde der Mord an einem politischen Rivalen im Jahr 1998 angelastet. Mit einer Anklage durch das Haager Tribunal, hieß es damals, müsse wöchentlich gerechnet werden.Thaci stand die Phase schweigend durch. Er nutzte die Zeit, holte sich unbelastete Leute in die Partei und erfreute die internationalen Verwalter mit maßvollen Statements und Versöhnungsgesten an die Serben. Im vergangenen Winter ließ er sich sogar mit dem serbischen Premier Zoran Djindjic, mit dem er sich gut vertrug, auf Geheimgespräche ein. Der erpressbare Thaci und seine PDK wurden für Steiner und die Uno der bequemere Partner als die Liga, die mit populistischen Ausfällen gegen die "Besatzer" nicht spart. Kurzfristige Festnahmen ex-jugoslawischer Politiker auf europäischen Flughäfen sind nichts Neues - doch ihr Erinnerungscharakter tut seine Wirkung.Hashim Thaci, Albaner-Führer