Im Keller unter der Rostlaube der Freien Universität sind mehr als 12 000 Bücher deponiert ­ Spenden von Studenten, Professoren und Bibliotheksnutzern aus ganz Berlin. Der Förderkreis der Germanistik-Bibliothek an der FU veranstaltet damit Basare, auf denen die Bücher und Zeitschriften verkauft werden. Von den Einnahmen werden Neuanschaffungen bezahlt.Die Idee, einen Förderkreis zu bilden, wurde aus der Not geboren. Denn von den Kürzungen im Hochschulbereich ist auch die Germanistik-Bibliothek der Freien Universität betroffen, neben der Fachbibliothek der Universität Köln die größte und wichtigste Seminarbibliothek in Deutschland. Ihr Angebot umfaßt auch kulturwissenschaftliche und historische Werke und beeindruckt immer wieder ausländische Forschungsgäste. "Ein großer Teil von ihnen wählt ausdrücklich Berlin mit dem Hinweis auf die Germanistik-Bibliothek", sagt Bibliotheksleiter Christian Büttrich. Die Zukunft der Seminarbibliothek ist allerdings ungewiß: "Unsere Mittel liegen jetzt bei 45 Prozent gegenüber 1995", beschreibt Büttrich die Lage. "Auf- und Abwärtsbewegungen im Etat" hat Büttrich, der seit 1974 die Bibliothek leitet, immer wieder erlebt, doch "noch nie so einschneidend". So mußten bereits 80 der insgesamt 630 laufenden Zeitschriften abbestellt werden. Bei der Neuanschaffung verzichtet der Bibliotheksleiter vor allem auf Literatur, die nicht für die aktuelle Forschung und Seminare gebraucht wird, aber: "Langfristig ist dies dennoch ein Manko."In dieser Notlage machten die Studenten mobil und gründeten im vergangenen Jahr einen Förderkreis, der nun Bücherbasare und Lesungen organisiert. 30 Hochschullehrer konnten für Zeitschriftenpatenschaften gewonnen werden. Über die Basare, Mitgliedsbeiträge und Spenden kamen bisher 30 000 Mark zusammen. Das Geld investiert Büttrich in neue Bücher: Die Gesamtausgabe zu Martin Walsers 70. Geburtstag war das erste Werk, das einen Spendenaufkleber des Förderkreises trug. Angesichts der Finanzierungslücken sind die Förderkreisspenden nur ein bescheidener Beitrag. Jedoch geht es den Studenten nur in zweiter Linie ums Geld: "Wir können und wollen niemanden aus der finanziellen Verantwortung entlassen", sagt der Vorsitzende des Förderkreises, Tim Jung. "Wir hoffen aber, ein Zeichen zu setzen." Und Christian Büttrich lobt den Einsatz als "identitäts- und solidaritätsstiftend".160 Mitglieder zählt der Kreis der Bücherfreunde bereits. Seine Mitglieder begreifen ihr Engagement als Protest gegen verantwortungloses Sparen, das eine einzigartige Büchersammlung zerstört. Davor wolle man "nicht die Augen verschließen", erklärt die stellvertretende Vorsitzende Henrike Ingenthron. Und die Germanistikstudentin Nadia Paquis, die gerade ihre Examensarbeit geschrieben hat, sagt: "Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Bücher diese Bibliothek bietet." Ob nachfolgende Studentengenerationen noch Grund zum Schwärmen haben werden, hängt nicht zuletzt davon ab, ob die Unternehmungen des Förderkreises Erfolg haben. Zur Zeit werden im Keller der FU-Rostlaube die 12 000 gespendeten Bücher nach Fachgebieten vorsortiert. Zum Bücherbasar am Montag, 23. Juni, von 10 bis 16 Uhr, werden sie vor der ehemaligen Garderobe in der Rostlaube verkauft.Kontakt: Habelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin, Tel. 8 38 22 20, Fax 8 38 67 49.

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