Niemand wollte ihn übernehmen - den heiklen Job, Joanne K. Rowlings Bestseller "Harry Potter und der Stein der Weisen" zu verfilmen. Das Buch wurde in Hollywood angeboten wie Sauerbier, solange die Autorin noch ein Geheimtipp war. Doch als Rowlings Auflagenzahlen in die Hundertausende gingen, wagten sich die Regie-Magier erst recht nicht an den Stoff. So hoch wie eine Hogwarts-Eule fliegen kann, kletterten die Erwartungen an die Rowling-Verfilmung. Tiefer als ein Troll der Gringotts-Bank nach Schätzen zu graben vermag, konnte ein Regisseur da fallen.Joanne K. Rowling hatte Hollywoods Warner Bros. Studios zudem unkomfortable Bedingungen diktiert: Die Dreharbeiten sollten in Großbritannien stattfinden, die Autorin hatte erhebliches Einspruchsrecht auch bei der Wahl des Regisseurs, und die Besetzung musste britisch oder irisch sein - Standort ist Identität. Steven Spielberg, der unter allen Regisseuren am geeignetsten schien, liebäugelte zwar lange mit Harry Potter, schob dann aber die Arbeiten zu "A.I." vor. Tatsächlich wurde ihm nicht die künstlerische Freiheit im Umgang mit der Buchvorlage garantiert, die er forderte. Im Folgenden stellten sich Regisseure zum Bewerbungsgespräch an. Brad Silberling ("Stadt der Engel") galt zu sehr als Neuling; Robert Zemeckis ("Cast Away") war zu beschäftigt. Rob Reiner ("Harry und Sally") wollte nicht in England drehen; Ivan Reitman ("Ghostbusters") stand zu sehr im Ruf eines Komödienclowns, und ein Exzentriker wie Rowlings Favorit Terry Gilliam ("12 Monkeys") schien durch das unkalkulierbare Kassen-Risiko untragbar. Erst als Rowlings drittes Buch, "Harry Potter und der Gefangene von Askaban", die Bestsellerlisten erobert hatte, einigte man sich auf einen Regisseur.Der 43-jährige Chris Columbus repräsentiert das Motto "Nummer Sicher". Seine ersten Erfolge verbuchte der Mann als Drehbuchautor für Steven Spielberg ("Gremlins", "Die Goonies") - so schließt sich der Kreis. Der Regisseur von "Kevin - Allein zuhaus", "Kevin - Allein in New York", "Mrs. Doubtfire" sowie "Seite an Seite" nahm Warner Bros. durch seine Erfahrung in der Arbeit mit Kindern für sich ein. Und dass er kein Mann der cineastischen Visionen ist, kam eher gelegen: Da dem ersten "Potter"-Film weitere folgen sollen, durfte seine Ästhetik das breite Publikum nicht abschrecken. Bei der Entscheidung für Columbus spielte natürlich eine Rolle, dass dieser Regisseur etliche Kassenknüller vorzuweisen hat. Columbus steht für den konventionellen, auch konservativen Familienfilm. In "Seite an Seite" entsorgt er eine Ehefrau wenig fein durch eine Krebserkrankung, um sie durch eine jüngere zu ersetzen, die fürs Heim gern den Beruf aufgibt. Columbus gestaltet die Wertekonsolidierung nicht nur im Kino, er hat selbst vier Kinder - was wie ein Werbegag wirkt, der seinem Image als Familienregisseur zusätzlich Glaubwürdigkeit verleihen soll. Die vier Kinder sind jedoch echt - eins davon soll die Dreharbeiten zum Film sehr beeinflusst haben. So will es jedenfalls die "Making-of"-Legende. Doch "Harry Potter und der Stein der Weisen" ist ja auch ein Märchenfilm.