Ein gefährliches Theaterstück

Der liebe Gott ist tot. Der Tod ist auch tot, das gibt mir zu denken", sinniert Jedermann Hermann Treusch und schaut ganz sorgenvoll. Es ist ein gefährliches Stück, sagt er. Ein Hauch von Schuld und Sühne hängt über der "Jedermann"-Premierenfeier im Radisson SAS. Nur Buhlschaft Sonja Kirchberger lächelt, aber das kann auch noch zu ihrer Rolle gehören.----Im Programmheft steht ein Kreuz hinter dem lieben Gott, die Stimme von Erich Schellow kommt vom Band. Arno Wischnewski, der vergangenes Jahr den Tod spielte, ist gestorben, und Schuldknechtfrau Ursula Heyer hatte einen schweren Verkehrsunfall. "Beim Jedermann gibt es halt nichts zu lachen", sagt Schuldknecht Dieter Knust. Auf der Feier knabberte er nicht nur an Salatblättern ­ der Schauspieler ist strenger Vegetarier ­ sondern auch an seiner Hinrichtung. Ein Gang zum Schafott ist nicht leicht. Auch wenn er nur auf der Bühne ist. So leicht will sich der Dünne Vetter Wolfgang Bahro nicht geschlagen geben. Schließlich trainiert er tagtäglich als Serienbösewicht Joe Gerner biestiges Überleben. Das stählt. Obwohl er lieber wegrennt, als zu kämpfen (Bahro kann Karate!), will er ein paar Überraschungen einbauen. Letztes Jahr versetzte Bahro seine Kollegen in Heiterkeit, als er das mittelalterliche Heilmittel Calzedon in seinem Text schlicht durch den Heroin-Ersatz Methadon ersetzte. Die Abschlußvorstellung ist immer zum Abschuß freigegeben, sagt Bahro. Regisseurin Brigitte Grothum sieht das zwar anders, aber Bahro sieht so aus, als könne er recht schnell rennen.("Stadtgeflüster"-Autor Andreas Kurtz ist im Urlaub.)----Zu Gast: Schauspielerin Sonja Kirchberger (Radisson SAS), Fernsehmoderatorin Dagmar Berghoff (The Westin Grand), Dirigent Markus Lehfinen (Hotel an der Oper), Filmkomponist Alan Bergmann (Kempinski).