Herr Neumann, Sie haben bei Volkswagen den Motor für das Drei-Liter-Auto konstruiert. Nun sind Sie Präsident der Luxusmarke Bugatti und entwickeln ein Auto, das sechzehn Zylinder und vier Turbolader hat, schneller ist als ein Kampfjet beim Start und zwei Millionen Mark kostet. Erklären Sie uns bitte diesen Wandel.Sie sehen da einen Gegensatz, der eigentlich keiner ist. Wir wollten ein Auto bauen, das es so noch nie zuvor gab - eins am unteren Ende und eins am oberen. Das wird der Bugatti sein.Umweltschützer werden Sie verfluchen.Sie werden es nicht, sie haben es bereits getan. Aber weil ich den Motor für das sparsamste Auto der Welt entwickelt habe, kann ich mir jetzt diesen Luxus leisten.Der letzte Versuch, die legendäre Automarke Bugatti wiederzubeleben, brachte Anfang der neunziger Jahre in Italien das mit 352 Kilometern pro Stunde schnellste Serienauto der Welt hervor. Ist das die Herausforderung?Diese Geschwindigkeit sicherlich auch, aber hier geht es doch um viel mehr. Um die strategische Einordnung der Luxusmarken. Es begann damit, dass Volkswagen Rolls-Royce und Bentley gekauft hatte und wir uns Gedanken darüber machen mussten, welche Motoren man nur in Luxusautos einbauen könnte. Und als es hieß, wir kriegen Rolls-Royce nicht, haben wir schon überlegt, ob wir einen Bugatti darüber setzen könnten. Es galt, für die Marke Bugatti eine absolute Sonderstellung zu erreichen.Rache des trotzigen Verlierers?Nein, das war es nicht. Seinerzeit hatte Mercedes eine Maybach-Limousine präsentiert, Bentley und Rolls-Royce standen wie gesagt zum Verkauf. Damit war eine sehr interessante Situation entstanden. Es ging um die Neuordnung des Luxuswagengeschäfts. Wir wollten dabei sein.Weil in diesem Geschäft die größten Gewinne gemacht werden?Sehen sie, eine Luxuslimousine wird nicht gebaut, weil eine bestimmte Kundschaft sie verlangt, eine solche Limousine wird gekauft, weil es sie gibt. Hier bestimmt nicht die Nachfrage, sondern das Angebot den Markt. Das Unternehmen, das in diesem Geschäft dabei ist, profitiert als Ganzes vom Image der Luxusmarke. Vor dem Hintergrund des immer schärferen Wettbewerbs in der Automobilbranche hat dies eine enorme Bedeutung. Insofern rechnet sich der Luxus.Fürchten Sie seit den Ereignissen in New York nicht manchmal, mit dem Bugatti zum falschen Zeitpunkt zu kommen?Eigentlich nicht. Wer sich solch ein Auto kauft, wird sich nicht dauernd dafür rechtfertigen müssen. Er spart es sich auch nicht vom Munde ab. Er muss nicht rechnen, ob er das Geld hat oder nicht. Er gönnt es sich einfach. Mein Eindruck ist, dass das Geschäft mit dem Luxus zumindest in dieser Preisklasse von Zeitereignissen recht wenig berührt wird.Deutschland ist nicht gerade ein Land, in dem man freundlich bewundert wird, wenn man ein zwei Millionen Mark teures Auto fährt.Ich vermute, dass den Leuten, die sich so einen Wagen zulegen, die soziale Akzeptanz egal ist.Als Firmengründer Ettore Bugatti Ende der zwanziger Jahre das Modell Royale - es war seinerzeit doppelt so teuer wie der teuerste Rolls-Royce - auf den Markt bringen wollte, brach gerade die Börse an der Wall Street zusammen. Die folgende wirtschaftliche Depression schreckte Interessenten ab. Man hielt es für geschmacklos, in solch harten Zeiten mit einem derartigen Luxuskoloss herumzufahren. Die Parallelen in die Gegenwart sind unübersehbar.Ich kann solche Folgen natürlich nicht ausschließen. Aber bis heute gibt es keine Absagen der Leute, die einen Bugatti von uns kaufen wollen.Sind es viele?Wir wurden von den Reaktionen auf den Wagen allein aus Europa überrascht, mussten bereits Nummern an die Interessenten vergeben.Die Vorstellung, dass Millionäre beim Golf-Hersteller nach Luxusgütern Schlange stehen, fällt nicht leicht.Wie gesagt: Das Angebot bestimmt den Markt - wir haben das Angebot.Der Einstieg von Volkswagen in das Geschäft mit dem Luxus wird von vielen belächelt. Musste es deshalb unbedingt der Bugatti mit sechzehn Zylindern sein?Ja. Ich glaube aber, dass ein Auto auch heute noch vor allem über den Antrieb, also über den Motor, im Markt positioniert wird. Auch wenn es unlogisch klingt, die Entscheidung für ein solch unwirtschaftliches Auto ist eine wirtschaftliche Entscheidung für Volkswagen. Es ging darum, sich abzusetzen, etwas zu bieten, was, sagen wir einmal, sehr solvente Kunden weder bei Mercedes noch bei anderen Konkurrenten bekommen können. Man könnte auch sagen, Hubraum statt Nussbaum. Konzernchef Ferdinand Piëch wollte tausend PS für den Bugatti, ich wollte tausend und ein PS. Ein Auto wie ein Märchen.Die Luxuswagen-Projekte waren und sind aber auch bei Volkswagen nicht unumstritten. Wurden nicht tatsächlich die Massenprodukte vernachlässigt?Das sehe ich nicht so. Im Gegenteil. Mit Produkten, die aus dem vorhandenen Sortiment herausragen, erreichen wir eine Höherpositionierung der Marke Volkswagen gegenüber dem Wettbewerb. Das erscheint mir unumgänglich.Im April nächsten Jahres wird Ferdinand Piëch durch den ehemaligen BMW-Chef Bernd Pischetsrieder abgelöst. Wird sich dadurch etwas ändern?Ich glaube nicht, weil sich beide in der grundsätzlichen Denke zum Thema sehr ähneln. Vielleicht ist er im positiven Sinn sogar noch etwas verrückter.Als Angestellter des Volkswagen-Konzerns mussten Sie nicht unbedingt damit rechnen, einmal Nachfolger von Ettore Bugatti zu werden.Früher nicht. Später, als klar wurde, dass auch Volkswagen sich verändern wird, habe ich Ferdinand Piëch mal gesagt, dass ich mich bewerben würde, wenn er einen Präsidenten für Bugatti sucht. Im letzten Herbst fragte Piëch mich dann, ob ich noch will. Ich habe sofort Ja gesagt.Warum?Ich bin jetzt 63 Jahre alt, ich wollte etwas Besonderes, etwas Bleibendes. Das Einzigartige. Und Bugatti hat mich schon fasziniert, als ich noch ein Kind war.Ein bisschen sentimental für einen Tech-niker.Vielleicht. Wissen Sie, ich wollte eigentlich mal Kunst studieren. Gemeinsam mit meiner damaligen Freundin. Das hat sich dann aus privaten Gründen zerschlagen.Was ist davon geblieben?Ich fotografiere.Autos?Niemals. Strukturen, Schmuck, generell schlichte Schönheit.Da sind Sie der Traumpartner eines jeden Designers.Wenn ein Designer ein Auto macht, ist das noch kein Auto. Es ist schön anzusehen, aber fahren kann man es nicht.Beim Bugatti geht es längst doch nicht mehr allein darum. Nicht mit 1 001 PS.Der Antrieb muss halten, was das außergewöhnliche Design des Bugatti verspricht. Stellen Sie sich dieses Auto mit, ich sage mal, fünfhundert PS vor. Ich kann mir das einfach nicht vorstellen, wirklich nicht. Es wäre kein Kracher.Ist das verantwortbar?Beim Bugatti gab es ein Problem, das mich sehr lange beschäftigt hat. Wir reden hier über ein Auto, das schneller ist als jeder Formel-1-Wagen. Der Bugatti fährt 406 km/h. Die Startgeschwindigkeit eines Kampfjets liegt bei Tempo 300. Diese Geschwindigkeit erreicht der Bugatti in weniger als 14 Sekunden. Ich glaube, das illustriert das Problem: Das Auto darf nicht fliegen. Wenn es abhebt, können wir das ganze Projekt vergessen. Das Problem hat mir Kummer bereitet, bis ich wusste, dass wir es lösen können.Wie?Die Aerodynamik wurde verändert. Es gibt einen ausfahrenden Heckflügel für den Abtrieb. Wir haben es im Windkanal getestet. Das Auto wird nicht fliegen.Rechnen Sie denn überhaupt damit, dass sich jemand das Auto kauft, um es zu fahren.Das Auto wird absolut alltagstauglich sein, und es wird Leute geben, die den Bugatti tatsächlich benutzen.Formal-1-Piloten verfügen über besondere fahrerische Fähigkeiten, sind mental wie körperlich absolut fit. Und nun darf jeder, der es sich leisten kann, dieses Auto kaufen und damit losfahren.Grundsätzlich ja. Allerdings sind viele unserer möglichen Kunden nicht ganz unerfahren, weil sie bereits sehr schnelle Autos besitzen. Trotzdem werden wir auf einer Rennstrecke jeden Käufer mit dem neuen Auto vertraut machen.Der Patron, wie sich Ettore Bugatti gern nennen ließ, wird von Biografen als stolzer, gerechter und großzügiger Chef beschrieben, zugleich aber auch als autoritärer, schwieriger und sehr sensibler Charakter. Was gefällt Ihnen an der Figur?Vor allem sein soziales Verhalten. Wer bei ihm arbeitete, hatte eine gesicherte Altersversorgung und war krankenversichert. Bugatti vergab sogar Darlehen, wenn sich jemand ein Haus bauen wollte. Und er war ein bodenständiger Mensch. Das macht ihn für mich sehr sympathisch.Ihre Kundschaft ist da vermutlich von einer anderen Art. Wie gehen Sie damit um?Ich weiß, was ich kann. Das hilft mir an der Ecke. Die, die ich persönlich kenne, sind verrückt nach Autos. So verrückt, dass sie einfach zum Spaß unvorstellbar viel Geld für ein Auto ausgeben. Denn Autos zum Fahren haben sie ja schon. Sie sind zumeist Technik-begeistert, kennen jede Schraube eines 35er Bugatti und 57er Ferrari - echte Liebhaber. Ich habe andererseits auch einen Interessenten, der einfach geerbt hat. Nun will er einen Bugatti als Anlageobjekt kaufen und erhofft sich eine deutliche Wertsteigerung.Könnte das aufgehen?Sicher. In den zwanziger Jahren wurden nur sechs Bugatti Royale gebaut. Volkswagen hat jetzt eines dieser Autos gekauft, es kostete uns sieben Millionen Dollar.Was machen diese Bugatti-Liebhaber beruflich?Nun ja, viele lassen machen. Sie reisen viel und haben immer gut Zeit. Das ist wohl der wahre Luxus.Wie definieren Sie Luxus?Zum Beispiel ist es der Mut, Dinge wegzulassen. Der Bugatti ist ein Supersportwagen. Eine reine Fahrmaschine. Alles, was drin ist, wird sehr, sehr edel sein, aber es muss nicht alles drin sein, was es gibt.Das Einfache auf höchstem Niveau?So in etwa. Ein Bugatti ist wie eine mechanische Uhr, Präzision und höchste Handwerkskunst.Ein Statussymbol?Nein. Das braucht die Kundschaft eigentlich nicht mehr. Die müssen niemandem etwas beweisen. Die Leute besitzen bereits Bentleys, Rolls-Royce, Porsche und Ferraris und meist nicht nur ein Auto jeder Marke. Für sie ist der Bugatti ein Spielzeug. Die Mehrzahl der Käufer wird sich das Auto als Sammlerstück hinstellen. Die Leute reden über ihre Autos und haben viel Zeit zum Reden. Da bin ich als Techniker ein guter Gesprächspartner. Manchmal denke ich sogar, die brauchen gar kein Auto.Damit verkommt Ihre Konstruktion in gut gesicherten Garagen zu einem 1 001 PS starken Gesprächsstoff.Es ist doch nicht schlecht zu wissen, dass dieses für manche Käufer ein Kunstwerk ist, sie es so behandeln und schätzen. Was will ich mehr.Klingt schon etwas frustriert.Ich weiß, dass der Bugatti fährt. Aber es wird Leute geben, die den Wagen in ihren Salon stellen, sich reinsetzen und nur Musik hören wollen. Dafür bauen wir eine Sound-Anlage von dem weltbesten Hi-Fi-Spezialisten ein. Schon bei der Entwicklung des Fahrzeugs wurde die optimale Anordnung der Komponenten festgelegt, um einen perfekten Klang zu erreichen. Das klingt auch gut, wenn man fährt.Volkswagen hat für einige Millionen Mark im französischen Molsheim das Schloss Saint-Jean restauriert, in dem einst Ettore Bugatti lebte und arbeitete.In Molsheim werden die Fahrzeuge an die Kunden übergeben. In einem Spiegelsaal. Sehen Sie, da gibt ein Kunde sehr viel Geld aus, erfüllt sich vielleicht einen Traum und sieht sich niemals selbst in seinem Auto. Wir bitten ihn sozusagen zur Anprobe in den Spiegelsaal. Daran hat bisher noch niemand gedacht.Ihre Idee?Ja.Wird der Bugatti in Molsheim auch gefertigt werden?In unmittelbarer Nähe werden wir eine Montagestätte errichten. Dort werden ab 2003 die Fahrzeuge entstehen. Alle in Handarbeit. Einer pro Woche, 50 im Jahr.Ettore Bugatti galt als ein genialer Techniker, für den Ästhetik selbst im Motorraum eines Autos eine maßgebliche Rolle spielte.Das macht das Auto so schwierig. Jedes Detail muss genau angeschaut werden. Es verbietet sich, irgendein Teil aus irgendeinem Auto des Volkswagen-Konzerns zu übernehmen.Bei Volkswagen wurden Konstrukteure über Jahre darauf getrimmt, einen Schalter, einen Knopf zu entwickeln, der in möglichst vielen Automodellen des Unternehmens eingesetzt werden kann. Wie bringt man diesen Leuten bei, nun genau das Gegenteil zu tun, exklusiv zu denken, weil Volkswagen plötzlich ein Luxusgut bauen will?Das geht nicht. Dafür braucht man neue Leute. Die sind handverlesen und ihre Charaktere müssen zusammenpassen.Ist das Bugatti-Triebwerk für Sie interessanter als der Sparmotor des Lupo?Der Dreizylinder des Drei-Liter-Lupo ist das tollste Aggregat, was bei Volkswagen gebaut wird. Es war aber auch eine Wahnsinnsinvestition.Das heißt, Umweltschutz ist genauso teuer wie Luxus?Ja, wenn Sie wirklich Umweltschutz am Auto machen. Das ist der wahre Luxus.Glauben Sie tatsächlich, dass Bugatti die Marke Volkswagen interessanter macht?Das Kaufverhalten der Leute wird durch Bugatti sicher nicht vordergründig in Richtung Golf oder Polo gelenkt. Das war auch nicht das erste Ziel. Vielmehr sollen mit dem Projekt Bugatti völlig neue Leichtbau-Materialien wie Kohlefaserstoffe und neue Fertigungstechniken in den Konzern gebracht werden. Denn wenn ein Auto weniger verbrauchen soll, muss es leichter werden. Auch deshalb gibt Volkswagen das Geld für Bugatti aus.Das wäre cleverer als Rennsport. Sie fahren die teuren Autos, in denen sie neue Technik ausprobieren, nicht auf der Rennstrecke zu Schrott, sondern verkaufen sie für zwei Millionen Mark.Wenn Sie das so sehen.Andererseits sprechen die Traditionen der Marke Bugatti durchaus für ein Engagement im Rennsport.Das wird definitiv nicht der Fall sein.Aber wo sonst kann man mit diesem Auto vierhundert Kilometer pro Stunde fahren?Auf einem Salzsee. Oder in Italien, dort gibt es einen speziellen Hochgeschwindigkeitskurs. Und zwischen Oman und Dubai, mitten in der Wüste, findet man ein fast zweihundert Kilometer langes Autobahnstück, das die Scheichs gerne mal für sich absperren lassen. Es ist jedoch so, dass das Auto generell mit Rädern und Reifen bestückt sein wird, die Tempo dreihundertundfünfzig zulassen. Wer schneller fahren will, benötigt einen speziellen Reifensatz, der aus Sicherheitsgründen nur von den Mechanikern des Reifenherstellers montiert wird.Ziemlich aufwändig.Nicht für den Fahrer. Wer mal richtig schnell fahren will, meldet das an. Dann wird sein Auto an den Salzsee oder in die Wüste oder die Rennstrecke in Italien gebracht und von den Fachleuten vorbereitet. Wenn das alles erledigt ist, reist der Besitzer des Autos an, steigt ein und fährt los. Ganz einfach.Können Sie den Reiz einer solchen Unternehmung nachvollziehen?Extrem hohe Geschwindigkeiten sind sehr anstrengend. Das ist Stress, überhaupt kein Luxus, weil schon bei Tempo dreihundert die Straße sehr eng wird. Spaß macht das nicht. Es ist wohl eher wichtig, sagen zu können, man sei einmal vierhundert Stundenkilometer gefahren.Welches Auto fahren Sie privat?Ich habe kein Auto.Und dienstlich?Am liebsten unauffällige Autos, VW Bus oder Golf.Das glauben wir nicht.Natürlich muss der Antrieb stimmen. Der Golf muss gehen, muss Porsche jagen können.Einen solchen Golf gibt es nicht.Es gibt ihn schon, nur kaufen kann man ihn nicht.Einen Bugatti indes wird man kaufen können. Es heißt, Ursula Piëch, die Frau des Volkswagen-Chefs, habe bereits die Nummer sieben bestellt.Unsere Kunden erwarten Diskretion.Wird VW mit dem Bugatti Geld verdienen?Wenn es uns gelingen sollte, dreihundert Bugatti zu verkaufen, dann haben wir Geld verdient.Wer bekommt das erste Auto?Das haben wir noch nicht vergeben.Können Sie allein entscheiden, wem sie es geben werden?Wenn einer den doppelten Preis zahlt, muss ich niemanden fragen.Das Gespräch führten Jochen Knoblach und Jochen Arntz.Der Chef // Obwohl Karl-Heinz Neumann, Jahrgang 1938, das schnellste und teuerste Auto der Welt verantwortet, bevorzugt er selbst die unauffällige Fortbewegung. Neumann mag den VW Golf und den VW Bus. Bei Volkswagen begann er 1965 nach einem Maschinenbau-Studium als technischer Volontär. Später ging er in die VW-Motorenfertigung und wurde 1994 Chef der Aggregate-Entwicklung. Die größte Herausforderung war für ihn die Konstruktion des Motors für das weltweit erste Drei-Liter-Auto. Seit Ende vergangenen Jahres ist er Präsident der Bugatti Automobiles S. A. S. Den mit vier Turboladern bestückten Acht-Liter-Sechzehnzylinder für den Bugatti hat er ebenfalls konstruiert.Die Marke // "Wenn du von einem Maserati in einen Bugatti umsteigst, dann ist es, als wenn du aus einer Eisenhandlung zu Tiffany s kommst. " So umschrieb ein Zeitgenosse die Faszination jener Automobilmarke, die von Ettore Bugatti (1881-1947) gegründet wurde. Der hoch begabte Spross einer Künstlerfamilie aus Mailand, produzierte im Elsass seine eigene Legende. Zwischen 1909 und 1940 entstanden in seiner kleinen Fabrik in Molsheim annähernd 8 000 Bugattis - Rennwagen, Sportwagen und repräsentative Wagen der Luxusklasse."Nichts ist zu schön, nichts ist zu teuer", lautete das Motto des "Patron", und so gelten die Fahrzeuge bis heute als Inbegriff erstklassigen Designs, handwerklich-technischer Präzision und mechanischer Zuverlässigkeit. 1991 versuchte ein Südtiroler Finanzmakler die Marke wiederzubeleben, musste aber vier Jahre später Konkurs anmelden. 1998 erwarb der VW-Konzern die Markenrechte für 100 Millionen Mark und begann mit der Entwicklung eines völlig neuen Bugattis, der ab 2003 wiederum in Molsheim gebaut werden soll. Fachleute schätzen, dass von den 7 950 jemals gebauten Fahrzeugen noch rund 2 000 erhalten sind, mit denen auf Oldtimer-Auktionen zweistellige Millionenbeträge erzielt werden können. Allein in Deutschland gibt es 150 Bugatti-Besitzer.Konzernchef Ferdinand Piëch wollte tausend PS für den Bugatti, ich wollte tausend und ein PS. Ein Auto wie ein Märchen.Mitten in der Wüste, findet man ein fast 200 Kilometer langes Autobahnstück, das die Scheichs gerne mal für sich absperren lassen.