Das sind doch alles nur sinnlose Schmierereien an Hauswänden - so denken viele Menschen, wenn sie Graffiti sehen. Dabei steckt in den Bildern so viel mehr. Für viele Jugendliche ist es eine Methode, sich Luft zu machen. Das kann den Sprayer teuer zu stehen kommen. Die Restauration eines besprayten U-Bahn-Zuges kostet beispielsweise um die 45 000 Euro. Denn der Lack der Züge ist durch eine spezielle Schicht geschützt, in die die Farbe tief eindringt. So müssen ertappte Sprayer meist über lange Zeit ihres Lebens enorme Summen abbezahlen. Das macht die U-Bahn-Züge jedoch nicht zu einem weniger attraktiven Ziel für die "Tags" der Sprayer - fast jeder Sprayer hat seinen eigenen Fantasienamen und einen eigenen Schriftzug, der "Tag" genannt wird.Aber nicht alle Graffiti an Häuserwänden sind illegal. Es kann sich auch um Auftragswerke handeln, für die der Sprayer bis zu 220 Euro pro Quadratmeter verdienen kann. Thomas Panter war jahrelang Sprayer. Eines Tages fielen seine Bilder dem Geschäftsbereichsleiter im Märkischen Viertel bei der Gesobau auf. Die Mieterbetreuer nahmen Kontakt zu dem Künstler auf und seitdem verschönert er im Auftrag der Wohnungsbaugesellschaft deren Spielplätze, Garagentore und andere Bausubstanz mit Graffiti.Seine erste Auftragsarbeit, die Verschönerung einer Spielplatzmauer, blieb lange unangetastet. Erst acht Jahre später wurde sie mit Tags übermalt. "Gute Graffiti verhindern Schmierereien", davon ist Panter überzeugt. Panter bemalte die Mauer erneut. Jetzt rauscht eine große meerblaue Welle über den Kinderspielplatz. (Felix Langer, Klasse 6A, Grundschule am Barbarossaplatz)Foto: BERLINER ZEITUNG/GEORGE KALOZOIS Ein Sprayer bei der Aktion "Legal sprayen gegen illegale Schmiererei"