Ein jahrelanger Streit scheint beendet, doch die Eigentümerin gibt den Kampf um ihr Instrument nicht auf: Kostbarer Erard-Flügel steht wieder in Friedenau

SCHÖNEBERG Mit mehreren musikalischen Abenden feiern die Friedenauer Kammerkonzerte in diesen Tagen ihr zehnjähriges Jubiläum. Die Festveranstaltungen werden allerdings vom Streit um einen historischen Erard-Flügel belastet.Der kostbare Konzertflügel wurde 1853 nach der Bauweise des Klavierbaumeisters Sebastien Erard gefertigt. "Clara Schumann hat bereits auf dem Flügel musiziert. Und ich habe in meiner Kindheit in der Schweiz darauf gespielt", sagt Verena Wenk.Seit Ende August ist die Klavierlehrerin rechtmäßige Eigentümerin des Erard. Zuvor hatte sie sich mit der "Gesellschaft der Freunde der Friedenauer Kammerkonzerte e. V." um den Flügel gestritten. Beide Seiten bemühten sich nämlich seit Ende 1993, das historische Instrument für 10 000 Mark von der damaligen Eigentümerin zu erwerben. Weil die Zahlungen von Frau Wenk über die Friedenauer Kammerkonzerte an die Eigentümerin gingen, beanspruchten schließlich beide das Eigentumsrecht. Es kam zum Prozeß, der vor zwei Monaten mit einem Vergleich vor dem Landgericht Berlin endete: Verena Wenk ist die Eigentümerin, muß den Erard jedoch den Friedenauer Kammerkonzerten zur "uneingeschränkten und ausschließlichen Nutzung überlassen". Es sei denn, sie stellt den Kammerkonzerten einen gleichwertigen Ersatzflügel zur Verfügung.Einst selbst Förderin der Kammerkonzerte, fühlt sich Verena Wenk durch diesen Vergleich "gedemütigt", hat sich deshalb auch von ihrem Rechtsanwalt getrennt. Dieser soll ihr vorenthalten haben, daß der Vorsitzende Richter seit langer Zeit mit der Vereinsvorsitzenden der Kammerkonzerte bekannt ist. Der Vorsitzende Richter hätte nicht objektiv urteilen können, so Wenk. Beim Landgericht ist jetzt ein anderer Richter für den Fall zuständig.Noch Anfang September stand der Flügel in der Klavier- und Cembalobau-Meisterwerkstatt Goecke und Farenholtz in Prenzlauer Berg. Dort war er restauriert worden. Eigentümerin Wenk suchte nach einem neuen Standort für den Erard. Sie wolle ihn einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen, außerdem müßte das Instrument unter bestimmten klimatischen Bedingungen aufgestellt werden, damit der Klang nicht für immer verlorengehe. Ein geeigneter Ort scheint ihr das Schloß Charlottenburg. Denn zum Inventar der Wohnräume von Königin Elisabeth gehörte auch ein Erard-Flügel. "Im Zusammenhang mit der Einrichtung der Wohnung Friedrich Wilhelms IV. im 1. Stockwerk des Neringbaus könnte der Flügel von Frau Wenk aufgestellt werden", teilt Burkhardt Göres, Schlösserdirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten mit. Zunächst aber müsse der Rechtsstreit beendet sein. Doch der kostbare Flügel steht seit einigen Tagen wieder in der Isoldestraße. Die Friedenauer Kammerkonzerte machen von ihrem Nutzungsrecht Gebrauch. Bis zuletzt hat Frau Wenk versucht, den Transport zu verhindern, ihr neuer Rechtanwalt wollte sogar eine einstweilige Verfügung erwirken. Alles ohne Erfolg. Der Antrag ist vom Landgericht zurückgewiesen worden.Man habe gehofft, daß das Thema Erard-Flügel "mit dem Vergleich endlich beendet ist", so Geschäftsführer Folkert Uhde von den Friedenauer Kammerkonzerten. "Ich denke, der Flügel steht bei uns genausogut wie in einem Museum. Neben dem Flügel befindet sich ein Luftbefeuchter. Diese Maßnahmen haben wir mit Instrumentenbauern abgesprochen." Um dem Streit nun endgültig zu beenden, will sich Folkert Uhde um einen Ersatzflügel im Sinne des Vergleichs bemühen. Dieser soll dann von Verena Wenk restauriert und den Friedenauer Kammerkonzerten im Austausch mit dem historischen Erard überlassen werden. Ob Verena Wenk darauf eingehen wird, ist offen. Ebenso, ob sie nun vors Kammergericht geht, damit sie als Eigentümerin doch über den Standort des Flügels entscheiden darf. "Was ist sonst das Eigentümerrecht noch wert?", so Frau Wenk. +++