SEDLITZ. Wilfried Kalinka sagt von sich, dass er Hausmann ist. Vor allem aber ist der 58-jährige ehemalige Computertechniker ein überzeugter Imker. Auf seinem Grundstück in Sedlitz (Oberspreewald-Lausitz) hält er 50 Bienenvölker. "Damit bin ich noch immer ein Hobby-Imker", sagt er. "Von Berufsimkern spricht man ab 150 Völker."Doch nun hat er mit einem Nachbarn Ärger wegen seiner kleinen Honiglieferanten. Aber nicht etwa, weil die Bienen jemanden gestochen haben, sondern weil sich jemand daran stört, dass selbst Bienen ihren Kot irgendwann einmal loswerden müssen.Gerade hat Kalinka einen Brief von einem Anwalt bekommen. Der ist für seinen Mandanten aktiv geworden, einen Lehrer im benachbarten Oberstufenzentrum. Dort stellt der Lehrer immer wieder sein Auto ab. Eines Tages aber war der glänzende Lack verunreinigt vom Bienenkot. "Ich habe eine Unterlassungsaufforderung erhalten", sagt Kalinka. Die Verschmutzung des Autos sei eine "Eigentumsbeeinträchtigung". Kalinka solle dafür sorgen, dass die Bienen keine Autos mehr verdreckten, sonst würden weitere rechtliche Schritte eingeleitet."Ich verstehe die Welt nicht mehr", sagt Kalinka. "Seit der Wende haben wir in Brandenburg viel zu wenige Imker und damit viel zu wenige Bienen." Die Landesregierung werbe seit Jahren für Imker-Nachwuchs. Und dann komme so eine Klage. "Die Biene ist nach Rind und Schwein noch vor dem Huhn das drittwichtigste Nutztier des Menschen", sagt der überzeugte Honigproduzent. Die Bestäubungsleistung der Biene für die Landwirtschaft und die Natur könne durch kein anderes Insekt übernommen werden. "Deshalb müsste doch jeder einsehen, wie wichtig Bienen sind", sagt der Hobby-Imker.Natürlich hinterlassen die Bienen auch Kot - vor allem beim ersten sogenannten Reinigungsflug nach der Überwinterung. In der kalten Jahreszeit geben die Tiere keine Exkremente ab, weil es sonst in ihrem Bienenstock zu gefährlichen Seuchen kommen könnte. "Die Bienen geben tatsächlich im Winter keinen Kot ab, sie halten so lange an, wie es geht", erklärt Kalinka. Manche haben so viel Kot im Leib, "dass sie zu schwer sind zum Fliegen und sogar sterben."Deshalb ist der Reinigungsflug wie eine Befreiung für die Bienen. Die Imker sagen ihren Nachbarn Bescheid, dass diese ihre Wäsche an diesen Tagen nicht raushängen. Als Entschädigung für die Einschränkungen bekommen die Nachbarn dann ein Glas Honig. "Diesmal war der Flug leider nicht am Sonntag, wenn keine Schule ist", sagt Kalinka, "sondern am Montag." An diesem Tag stand das Auto des Lehrers auf dem Parkplatz unter der Flugroute der Bienen. "Es entsteht auf dem Lack ähnlicher Schmutz, als wenn der Wagen unter einer Linde steht", sagt der Imker. Doch unter einer Linde sei der Wagen komplett mit Dreck überzogen, bei Bienen sei das nur an einigen Stellen so.Kalinka kann sich einen Prozess nicht leisten und hofft, dass es zu keiner Klage kommt. Der Imkerverband will nun sein Mitglied unterstützen. Es ist übrigens nicht der erste so geartete Fall: Nach der Klage eines Autohändlers hatte der Imker Recht bekommen, der Autohändler wurde dazu verpflichtet, seine Autos für die ein bis zwei kritischen Tage abzudecken. "Trotzdem hat die juristische Auseinandersetzung ewig gedauert", sagt Kalinka. Ärger, weil seine Bienen jemanden gestochen haben, hat er übrigens noch nie bekommen.