Franz Morak hatte bereits Gelegenheit, für seine neue Rolle zu üben. Im Jahr 1996 schien den beurlaubten Burgschauspieler seine parlamentarische Arbeit als Kultursprecher der österreichischen Volkspartei (ÖVP) nicht mehr auszufüllen. Der frühere Ensemblesprecher wollte zurück an die Burg, zurück in die Arme des ihm verhassten Direktors Claus Peymann, dem er einst "Entösterreicherung" des Ensembles vorgeworfen hatte und dem er jüngst erst entflohen war. Peymann bockte, bezweifelte süffisant, ob es einem Kultursprecher möglich sei, neben seiner anstrengenden Arbeit einen Vertrag als Schauspieler zu erfüllen. Morak aber bestand auf seinem Recht, und so musste die Burgtheaterdramaturgie eine Rolle für ihn suchen. Franz Morak, der in der Zeit vor der Ära Peymann so manchen ersten Liebhaber und tragischen Helden gegeben hatte, wurde als "Marquis Pasdetrois" besetzt im Kindermärchen "Aschenbrödel". Als des Königs mürrischer Minister für Tanz, dessen Kunst keiner versteht, standen ihm grüne Haare zu Berge und niemand war vor seinen Ausfälligkeiten sicher. Die Darstellung soll überzeugend gewesen sein.Wenn auch nicht als Minister für Tanz, so doch als Staatssekretär für Kunst und Kultur wird Franz Morak in diesen Tagen vereidigt. Seine Karriere nimmt damit abermals eine überraschende Wendung. Denn der 53 Jahre alte Grazer, in die Politik geholt von Erhard Busek, dem Vorgänger von Wolfgang Schüssel als ÖVP-Vorsitzender, hatte sich frühzeitig festgelegt: "Für eine Koalition mit der FPÖ stehe ich nicht zur Verfügung. " Da war ihm allerdings noch kein Amt angeboten worden.Heute schätzt er die Chance als groß ein, "hier etwas zu verändern". Zumal die Morak vorgesetzte Minis-(Fortsetzung Seite 2) Morak, Fortsetzung von Seite 1 ---terin für Bildung, Wissenschaft, Kunst und Kultur ein neu geschaffenes Mammutressort abzudecken hat, so kommt auf den Staatssekretär einiges zu. Bisher war er in der politischen Arbeit vor allem durch parlamentarische Anfragen zu Peymanns Spielplangestaltung aufgefallen, durch krude "Trachten-Clubbings", die er veranstaltete, und durch etwas wirre Konzeptpapiere, in denen Morak gegen die "selbst ernannte kulturelle Elite" polemisiert. Sozialdemokratische Kulturpolitik, heißt es in einer Erklärung seines Büros "Kulturmaschine", "vernachlässigt die kulturellen Traditionen unserer Heimat und folgt den vom internationalen Feuilleton vorgegebenen Moden". Plädiert wird hingegen "für eine selbstbewusste österreichische Kultur im vereinten Europa".Zurzeit allerdings stehen die Sterne dafür nicht gerade günstig. Und ob Franz Morak der richtige Mann ist, um das Vertrauen der österreichischen Künstler in die neue Regierung zu gewinnen, bezweifeln selbst solche, die ihn vor seinen letzten Verwandlungen gekannt haben als sein Nacktauftritt in Peter Turrinis "Rozznjogd" 1971 für einen Skandal sorgte; als er noch Österreichs "Anarchist des Rock n Roll" war, statt in Nestroy- und Grillparzer-Rollen zu gefallen.Anfang der 80er-Jahre nämlich Kenner des so genannten "Austropop" erinnern sich brachte Morak beachtete Schallplatten auf den Markt. Sie trugen Titel wie "Morak", "Morak n Roll" und "Sieger sehen anders aus". Moraks Verse waren Programm: "Wir scheuern euch die Gehirne blank. / Mit schneewei- ßem New-Wave-Schizo-Punk. " Der Schriftsteller Michael Scharang, ein überzeugter Anhänger der Kommunistischen Partei Österreichs, gestand ihm damals auf dem Plattencover zu, mit seiner Musik "Widerstand" zu machen.Zwanzig Jahre später bekleidet der Schauspieler, zu dessen Bühnen-Stilmitteln unbedingt das Dröhnen gehört, das zweithöchste kulturpolitische Amt im Staat. Wie sang sich s doch im Widerstand? "Ich sitze hier und warte,/ und stell mich taub und blind. / Und es fällt ein schwerer Regen,/ und es weht ein andrer Wind. "