Ein Museum in Solingen erinnert an Stan Laurel und Oliver Hardy, die nicht nur Dick und Doof waren: Die Meister der ungesagten Worte

SOLINGEN, 22. Februar. Ihr Humor war einfach, aber genial. Generationen haben über sie gelacht: Die Großeltern, die sie noch in Begleitung eines Pianisten stumm mimend im Kino erlebten; die Eltern, die sie in den Fünfzigerjahren, als noch in jedem Vorort eine Leinwand stand, vertont genossen; dann die Kinder, die sich in den Siebzigern und Achtzigern Freitagabends im Zweiten zwischen "Väter der Klamotte" und "Männer ohne Nerven" über ihre Späße amüsierten; und schließlich die Enkel, die heute begeistert ihre Slapsticks auf DVD anschauen.Zwei Männer, ein Mythos: Oliver Hardy und Arthur Stanley Jefferson, der sich Stan Laurel nannte, waren alles andere als nur Dick und Doof. "Die Magie der beiden ist ihr zeitloser Humor", meint Wolfgang Günther. Seit 1990 ist er Museumsdirektor, und er liebt es, wenn seine Besucher vor lauter Lachen fast unter den Stühlen liegen. Hier in Solingen, im Bergischen Land zwischen Wuppertal und Düsseldorf, erinnern Wolfgang Günther und seine Frau Vera auf 60 Quadratmetern an das berühmteste Komikerduo der Filmgeschichte.Kino wie früherDas "Laurel & Hardy Museum" ist eine einzigartige Sammlung von Exponaten aus dem Leben des ungleichen Schauspieler-Paares. Ein Leben, das für Oliver Norvell Hardy nach einem Schlaganfall am 7. August 1957 im Alter von 65 Jahren endete. Stan Laurel hingegen erlebte noch das Revival der Filme mit Stan & Ollie im amerikanischen Fernsehen. Der gebürtige Brite starb am 23. Februar 1965 in seiner Wahlheimat Santa Monica/Kalifornien an den Folgen eines Herzinfarktes. Er wurde 74.Heute, da sich der Todestag von Stan Laurel zum 40. Male jährt, lädt das Ehepaar Günther zum "Kino wie früher". Die überraschende Vorstellung mit dem Hauptfilm "Die Doppelgänger von Sacramento" in deutscher Sprache ist eine Reminiszenz an Stan Laurel und Oliver Hardy. So wie das ganze Museum: Gezeigt wird hier nicht nur ein großer Teil der insgesamt 106 Filme, in denen die beiden seit 1926 gemeinsam auftraten - der schmächtig-naive, weinerlich-schusselige Stan und der schwergewichtig-galante, um Souveränität bemühte Ollie. Wolfgang und Vera Günther haben, inspiriert durch das Museum in Stan Laurels Heimatstadt Ulverston in Nord-England, zusammengetragen, was immer sie von und mit den beiden Stars in aller Welt fanden: Filmplakate und Fotos, Bücher, Zinnfiguren, Gebäckdosen, Uhren, Masken, Zeitungsausschnitte, Kopien von Drehbüchern und zahlreiche Raritäten: Schecks von Stan Laurel aus den 20er-Jahren, eine limitierte US-Spieluhr mit der typischen Erkennungsmelodie ihrer Streifen, einige Meter Originalfilm im 35-mm-Format, zwei handgeschnitzte Figuren aus Sumatra oder auch eine Briefmarke aus Genua.Einmalig indes ist Günthers filmischer Reichtum. "Es gibt auf der Welt kein anderes Museum, in dem man die Original-Kino-Filme anschauen kann", sagt der Direktor. Sie vorzuführen, bereitet ihm stets besondere Freude. Behände zieht er dann die Leinwand von der Decke, stellt die 20 Stühle zur Kinoreihe und versucht schließlich, mit einem Holzstab den Vorhang der Dachluke zu schließen. "Dabei stell ich mich schon mal gerne dämlich an und hab die ersten Lacher auf meiner Seite", sagt der 60-Jährige. Wenn dann der Projektor rattert, die typische Kapellen-Musik erklingt und sich die ersten Besucher auf die Schenkel schlagen, ist er selig.Dabei sah er sein Lebenswerk vor vier Jahren schon vor dem Aus, als der Vermieter den Mietvertrag des Museums, das zunächst zehn Jahre im Wohnhaus der Günthers untergebracht war, kündigte. Zwei Jahre lagerten die Exponate in Kisten, ehe die Stadt den Günthers ein schmuckes Industriedenkmal, den Walder Kotten, zur Verfügung stellte. Die Wiedereröffnung im März 2003 erinnerte Wolfgang Günther an seine Stars: "Auch in der größten Katastrophe haben sie niemals resigniert, es immer wieder gemeinsam versucht und meist auch geschafft."Genial ausgeklügeltDas Interesse an den gegensätzlichen Underdogs ist ungebrochen, der Andrang im Solinger Museum groß. Alle Besucher vereint der Spaß, diesen Kindern, die nur zufällig in den Körpern Erwachsener stecken, zuzuschauen. Laurel und Hardy sind Meister der ungesagten Worte. Sie minimieren die große Welt des schnellen Witzes auf quälend langsame Gesten und Blicke. Keiner kratzt sich so schön unschuldig und staunend am Kopf wie Stan oder verdreht so unerhört genervt die Augen wie Ollie. "Das ist genial ausgeklügelt und alles andere als nur Klamauk", meint Wolfgang Günther.Doch die Popularität der Helden von einst liegt vermutlich nicht nur daran, dass ihr Humor einfach, leicht und weise ist. Er ist vor allem ehrlich und zutiefst menschlich. Oliver Hardy drückte es einmal so aus: "Schon als Kind hatte ich die Angewohnheit, Leute zu beobachten. Und ich sage euch, es gibt eine Menge Laurel und Hardys auf dieser Welt: Den dummen Kerl, dem nie etwas wirklich Schlimmes passiert - und den eleganten, pfiffigen Typ, der dümmer als der Dumme ist, nur dass er es selbst nicht merkt."------------------------------Foto: Ein Foto von 1936: So hat die Welt das Duo Dick und Doof in Erinnerung.