Der älteste U-Bahn-Tunnel, der auf dem europäischen Kontinent gebaut wurde, beginnt unter dem AEG-Gelände an der Gustav-Meyer-Allee in Wedding und führt 295 Meter zum ehemaligen AEG-Gelände an der Ackerstraße in Mitte, zum Keller eines Gebäudes, das heute Räume der Technischen Universität beherbergt. 1895 wurde der Tunnel von der AEG zu Testzwecken gebaut, um zu beweisen, dass auch im Berliner märkischen Sand eine U-Bahn technisch möglich ist. Dieser Tunnel sowie andere unterirdische Bauwerke können ab dem 20. März bei Führungen des Vereins unter-berlin e.V. besichtigt werden. Der im Oktober gegründete Verein beschäftigt sich wie der schon länger existierende Verein Berliner Unterwelten mit den Geheimnissen der Gebäude unter der Stadt. "Wir haben aber einen anderen Ansatz", sagt der Vorsitzende Eberhard Elfert. Man wolle die unterirdischen Anlagen nicht zu Museen machen, sondern so zeigen, wie sie sind. "Die Bauwerke sprechen für sich", findet er. Elfert will mit den zehn Vereinsmitgliedern historische Hintergründe vermitteln und die wechselvolle Geschichte der unterirdischen Bauwerke erzählen. Der U-Bahn-Tunnel wurde nach dem Ersten Weltkrieg beispielsweise genutzt, um Arbeiter und Material zwischen den zwei Standorten der AEG hin- und herzufahren. Im Zweiten Weltkrieg diente der Tunnel dann als Luftschutzbunker für die Mitarbeiter. Davon zeugen noch die rostigen Türen der Gasschleuse, die eingebaut wurde. Die Tour führt auch in die weitläufigen Kellergewölbe der zahlreichen Brauereien, die einst in Mitte und in Prenzlauer Berg ansässig waren. Sie sind bis zu 5 000 Quadratmeter groß. In ihnen wurde früher Bier gelagert, weil dort relativ konstante Temperaturen herrschten und es noch keine Kühlanlagen gab. Teilweise sind noch verrostete Behälter zu sehen, in denen das Bier vor der Abfüllung gelagert wurde. Aber auch spätere Zeiten haben ihre Spuren hinterlassen. Viele Gewölbe wurden während des Zweiten Weltkriegs als Bunker genutzt. "Es gibt noch Reste von fluoreszierenden Farbstreifen, die bei Stromausfall den Weg wiesen", erzählt Elfert. In den Gewölben der ehemaligen Königstadtbrauerei an der Saarbrücker Straße in Mitte finden sich auch Spuren der Rüstungsproduktion, die dort ab 1944 anlief. Neben Kellern, Tunneln und historischen Wasserspeichern geht es bei den Führungen außerdem ins ehemalige Haupttelegrafenamt an der Oranienburger Straße. In dessen Keller befindet sich die wichtigste Schaltzentrale der Rohrpost, die von 1916 bis Ende der 1970er Jahre betrieben wurde. Alle technischen Anlagen sind noch vorhanden, Elfert erklärt an ihnen die Funktionsweise des damals innovativen Kommunikationssystems, mit dem über insgesamt 400 Kilometer lange Rohre Dokumente, Briefe und Telegramme in ganz Berlin verschickt wurden. Heute übernehmen das Fahrradkuriere. unter-berlin, Info-Telefon 31 50 98 66.Im Internet unter: www.unter-berlin.de------------------------------"Wir wollen die einzigartige Unterwelt erhalten." Eberhard Elfert, Verein unter-berlin------------------------------Foto: Eberhard Elfert, Vorsitzender des Vereins unter-berlin, zeigt die Kellergewölbe der ehemaligen Königstadt-Brauerei.------------------------------Foto: (2) Die technischen Einrichtungen der Rohrpostzentrale im ehemaligen Haupttelegrafenamt sind noch gut erhalten. Funktionsfähig ist die 1916 in Betrieb genommene Anlage aber nicht mehr. Die Geräte rechts sind sogar in Marmor eingefasst.