Wer kennt noch die "Tropfstein-Lichtspiele" an der Pichelsdorfer Straße 49? Oder das "Savoy-Filmtheater" an der Staakener Straße 87-89? Und wer erinnert sich an das "Rex" am Haselhorster Damm 27? Längst sind diese Kinos in Supermärkte umgewandelt worden, andere wurden abgerissen. Ein neues Buch zeigt ihr Schicksal auf.Mitarbeiter und Studenten der Technischen Universität (TU) haben Adreßbücher gewälzt, in Bauakten gestöbert, Zeitungsbände durchblättert. Was die Projektgruppe des Fachgebiets Kunstwissenschaft dabei herausfand, kann nun in einem 296seitigen Werk nachgelesen werden. "Kinoarchitektur in Berlin 1895-1995" heißt das Buch, das immerhin sieben Seiten den Spandauer Kinos widmet. Ergebnis: 20 Filmtheater hat es während der fünfziger Jahre im Bezirk gegeben, 19 während der Sechziger, zählte das Forscherteam. Das älteste Spandauer Kino führt die Liste an: das "Aladin-Filmtheater" an der Havelstraße 20, das 1911 als "Spandauer Lichtspiele" begann und 1967 einem Supermarkt wich. Kaum zu glauben: Selbst in der Stadtrandsiedlung gab es ein Kino, die "Filmbühne Spandau" am Glühwürmchenweg (1952 bis 1960). Auch die Staakener hatten es nicht weit zur nächsten Leinwand - die stand in den "Capitol-Lichtspielen", Eichholzbahn 24-26 (1942 bis 1961). Beide Kinos wurden zerstört, so die Autoren lapidar.Noch während der fünfziger Jahre kommt es zu einem Boom. "Eine regelrechte Kinowelle" stellt das TUForscherteam fest. Mehrere Neubauten entstanden - so das "Regina" an der Pichelsdorfer Straße 116, wo 600 mit violettem Cord bezogene Sitze auf Filmfreunde warten. Doch die bleiben immer häufiger aus. Auch in Spandau geben sich immer mehr Kinobetreiber im Konkurrenzkampf mit dem Fernsehen geschlagen. "Allein das ,Savoy`, ein ganz im gediegenen Schick dieser Zeit gestaltetes Filmtheater, überlebt das Kinosterben bis 1983", so Autorin Maritta Iseler. Fünf Jahre lang gibt es kein Filmtheater im Bezirk - sieht man von dem "Filmstudio Wichern" des rührigen Kirchen-Hausmeisters Gerhard Hussock ab. Erst 1988 setzt das Kulturhaus-Kino die Tradition fort. Inzwischen ist die Institution des Bezirkskinos wieder im Kommen. Wo an der Havelstraße einst mit den "Spandauer Lichtspielen" die Havelstädter Filmtheater-Historie begann, will die Berliner Central-Film 1996 ein Kinocenter errichten. Der dortige Supermarkt zieht aus - offenbar ist nichts in der Geschichte von Dauer. Das läßt hoffen.Peter NeumannSylvaine Hänsel, Angelika Schmitt (Herausgeber): Kinoarchitektur in Berlin 1895-1995. Dietrich Reimer Verlag Berlin. Preis: 48 Mark.