Ein neues Verbundglas kann das Geräuschniveau im Auto deutlich senken. Darüber hinaus soll es leichter werden: Ruhe bitte!

Das sind ja schöne Aussichten: Bei 180 km/h habe man das Innengeräusch um bis zu acht dB(A) senken können, berichtet Volkmar Offermann vom Glas-Lieferanten Saint-Gobain Sekurit über die Entwicklungsarbeit an einem neuen Auto, das noch nicht auf dem Markt ist. Ein Minus von drei dB(A) wird vom menschlichen Ohr als Halbierung der Lautstärke empfunden. Acht dB(A) minus bedeuten also so etwas wie himmlische Ruhe. Zu erzielen ist die, so die Vereinigung von Autoglas- und Glasfolienherstellern AAGMA, durch den Einsatz von Akustikglas in allen Fensterflächen des Autos. Vielleicht nicht in jedem Auto, doch drei bis fünf dB(A) seien jederzeit drin.Akustikglas ist die am weitesten entwickelte Form des Verbund-Sicherheitsglases (VSG). VSG besteht aus zwei Glasschichten, die durch eine etwa 0,8 Millimeter starke Folie verbunden sind. Per Gesetz ist dieses Glas für die Windschutzscheibe vorgeschrieben, da Steinschlag zum Beispiel nur eine kleine punktuelle Beschädigung hervorruft, die die Sicht nicht beeinträchtigt. Für Seiten- und Heckscheiben kommt in der Regel Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG) zum Einsatz.Seine Geräusch dämmenden Eigenschaften erlangt das Akustikglas durch eine besonders elastische Zwischenfolie. Sie dämpft Schallwellen effektiver als die normale VSG-Folie und tut dies vor allem in dem Frequenzbereich der menschlichen Sprache, zwischen einem und fünf Kilohertz. Der Effekt ist naturgemäß umso größer, je schneller das Auto fährt. Denn mit steigendem Tempo macht der Fahrtwind am meisten Lärm.Dass der Einsatz von Verbundglas - sei es nun die konventionelle Ausführung, die gleichzeitig auch vor Infrarot- und UV-Strahlen schützt oder das neue Glas mit zusätzlicher Geräuschdämmung - das Fahrzeuggewicht und damit den Verbrauch erhöht, steht nicht generell zu befürchten. Wegen der leichten Zwischenfolie wiegt VSG bei gleicher Dicke zwar zehn Prozent weniger als Einscheiben-Sicherheitsglas, sagen die Fachleute. ESG für Seitenscheiben ist allerdings in der Regel dünner als VSG.Große Panoramadächer aus VSG gehen dagegen prinzipiell aufs Gewicht. Bei fünf Millimetern Scheibendicke, einem heute üblichen Wert, wiegt ein Quadratmeter VSG etwa 11,3 Kilogramm. Durch Reduzierung der Dicke auf 4,5 oder gar vier Millimeter sind 8,8 Kilogramm möglich. Ein Quadratmeter Blech bringt es - unlackiert und unverkleidet - auf etwa 6,3 Kilogramm pro Quadratmeter.Der Einsatz von VSG für Seiten- und Heckscheiben geht langsam, aber stetig voran. Nachdem Seiten- und Heckscheiben aus Verbundsicherheitsglas vor zehn Jahren nur in einigen wenigen Luxuslimousinen angeboten wurde, findet sich diese Technologie heute schon in 50 Fahrzeugtypen - angefangen bei Kompaktwagen wie Citroën C4 oder dem Skoda Octavia und das in der Regel als Option mit zum Teil deftigen Aufpreisen von 600 Euro und mehr.Verkäufer argumentieren in den meisten Fällen mit einem verbesserten Klimakomfort durch geringere Aufheizung des Innenraumes und den höheren Diebstahlschutz durch VSG: Während konventionelles Einscheiben-Sicherheitsglas nach einem leichten Schlag mit einem spitzen Gegenstand zerbröselt und Langfingern ungehinderten Zugang in den Innenraum verschafft, hält VSG selbst brutalen Schlägen mit einem Baseballschläger stand. Auch der Schutz bei einem Unfall ist besser, weiß Unfallforscher Florian Schueler von der Universität Heidelberg. "Der Windowbag kann sich an der Seitenscheibe abstützen und so wirkungsvoller vor Verletzungen schützen."------------------------------Foto: Lichtschutzfaktor 50: Verbundglas bietet einen zehnmal höheren Schutz vor UV-Strahlen als herkömmliche Scheiben.