Eine Substanz aus einer indischen Heilpflanze kann den Bräunungsprozess in heller Haut ohne Sonneneinstrahlung in Gang bringen. Das berichten Forscher um John D'Orazio vom Dana-Farber Cancer Institute and Children's Hospital in Boston im Fachmagazin Nature. Nach Angaben der Wissenschaftler sind hellhäutige Mäuse auf diese Weise genauso gut vor Hautkrebs geschützt wie dunkelhäutige, obwohl sie normalerweise ein höheres Risiko haben.D'Orazio und sein Team verwendeten für ihre Untersuchungen Mäuse, die rothaarigen Menschen mit extrem heller Haut entsprechen: Ihre oberste Hautschicht enthielt zwar pigmentbildende Zellen (Melanozyten), doch diese erzeugten unter ultraviolettem Licht kein Melanin, also den Farbstoff, der die Haut braun werden lässt. Die Forscher behandelten die hellhäutigen Mäuse drei Wochen lang mit einer Creme, die den Wirkstoff Forskolin enthielt. Diese Substanz wird aus der Wurzel der Heilpflanze Coleus forskohlii gewonnen. Schon seit längerem ist bekannt, dass Forskolin die Produktion eines Botenstoffs steigert, der Melanozyten dazu anregt, mehr Melanin herzustellen. Wie D'Orazio berichtet, wurde die Haut der Mäuse durch die Behandlung sichtbar dunkler. Die Bräunung hielt an, solange die Mäuse mit Forskolin eingecremt wurden und verschwand etwa zwei Wochen nach Behandlungsende.Um die Anfälligkeit für Hautkrebs zu testen, wurden die Forskolin-Mäuse vier Wochen lang mit ultraviolettem (UV) Licht bestrahlt. Den Forschern zufolge entsprach die tägliche UV-Dosis etwa derjenigen, die Menschen bei einem ein- bis zweistündigen Sonnenbad in der sommerlichen Mittagshitze Floridas abbekommen. Dadurch bildeten sich bei den eingecremten Mäusen nur halb so viele bösartige Melanome wie bei den unbehandelten Mäusen einer Vergleichsgruppe.Noch ist unklar, ob sich die schützende Bräune auch beim Menschen erzeugen lässt. Denn die oberste Hautschicht beim Menschen ist dicker als die von Mäusen und die Forskolin-Moleküle dringen möglicherweise nicht bis zu den Melanozyten vor. D'Orazio hält es aber für möglich, dass andere Substanzen gefunden werden, die beim Menschen ähnliche Effekte haben. (kat.)Nature, Bd. 443, S. 340