Am heutigen Freitag erhält ein Platz neben der Deutschen Oper den Namen von Götz Friedrich. Zudem ist eine Skulptur von Günther Uecker dem vor acht Jahren gestorbenen langjährigen Intendanten der Deutschen Oper gewidmet. Ein Gespräch über Götz Friedrich mit dem texanischen Journalisten und Pianisten Paul Moor (84), einem der engsten Freunde des Regisseurs, der seit den 50er-Jahren in Berlin lebt.Wie haben Sie Götz Friedrich kennengelernt?Ich bin 1956 für Time Life nach Berlin gegangen, um Walter Felsenstein zu porträtieren. Felsenstein war Intendant und Regisseur an der Komischen Oper, und Götz war sein Schüler. Ich habe ihn das erste Mal bei einer Probe zur "Zauberflöte" gesehen und fand ihn unheimlich sympathisch. Er war der erste DDR-Bürger, mit dem ich Kontakt hatte, und ich war sein einziger West-Bekannter. Damals war ja die Grenze in Berlin noch offen. Er war mit Ruth Maria Kubitschek verheiratet, hatte einen kleinen Sohn namens Alexander und wohnte in der Junker-Jörg-Straße in Karlshorst. Er ist oft zu mir nach Wilmersdorf gekommen, um die Seele zu lüften. Einmal war er sehr deprimiert: Ruth hatte ein Engagement im Westen angenommen, obwohl es ihr von den DDR-Behörden verboten wurde. Die Ehe war schon nicht mehr die beste, und Ruth sagte, sie würde ihren Sohn mitnehmen. Götz liebte Alexander über alles, aber er sah auch, dass sein Sohn im Westen ohne FDJ, ohne Marxismus-Leninismus-Unterricht und ohne Beschränkungen in der Berufsausbildung aufwachsen konnte. An diesem Abend haben wir uns voll laufen lassen, bis Götz die letzte S-Bahn in den Osten verpasst hatte. Aber er musste am nächsten Morgen zur Probe. Also habe ich ihn mit meinem kanarienvogelgelben Citroen DS 19 über die Grenze gefahren und wurde prompt von Vopos gestoppt. Götz konnte nach Hause gehen, aber ich war ohne Papiere und ohne Geld, wurde mehrere Stunden festgehalten.Wie dachte Götz Friedrich über die DDR?Sein Vater war Anwalt und hat Dissidenten verteidigt, ohne selbst einer zu sein. Es war ja der kälteste kalte Krieg damals, die Springer-Presse hat prinzipiell nicht über das kulturelle Leben in Ost-Berlin berichtet. Ich habe als Korrespondent mein möglichstes versucht, um seinen Namen im Westen bekannt zu machen. Als Götz Friedrich 1972 das erste Mal in Bayreuth Regie führte, wurde er von den Alt-Wagnerianern als "Kommunist" verunglimpft, was vollkommen absurd war. Aber auf der Pressekonferenz nach der umstrittenen Premiere konnte er sich dagegen nicht wehren, das hätte ihn ja in der DDR gefährdet. Nachdem er in den Westen gegangen war, galt er als Republikflüchtling und hatte Angst, dass man ihn gefangen nehmen würde. Seine Angst war so groß, dass er auch zu Hause nur bei laufendem Fernseher einschlafen konnte.Gab es keine Differenzen?Wegen einer Oper von Ezra Pound, der auch ein bisschen komponiert hat, hätten wir uns fast zerstritten. Ich griff ihn an, wie er die völlig belangloses Oper eines Mussolini-Verehrers inszenieren könne. Einige Wochen später meldete er sich am Telefon: "Hallo, hier ist der Faschist!"An der Deutschen Oper wurde er erstmals Intendant.Freizeit gab es für ihn da nicht mehr. Er war einer der ersten, die ein Handy hatten. Außerdem hatte er eine Standleitung von der Bühne der Deutschen Oper in sein Haus legen lassen, so wusste er immer, was dort gerade los war. Sein Chauffeur reichte ihm, bevor es nach Hause ging, als erstes ein Bier. Götz Friedrich durfte aus gesundheitlichen Gründen weder Wein noch Schnaps trinken, er trank wannenweise Bier.Das klingt lebenslustig.Ja, und er liebte die Frauen. Mit seiner letzten Ehefrau, der Sängerin Karan Armstrong, war er besonders glücklich. Sie lernten sich bei der Arbeit kennen. Auf einer Probe beschied er ihr: "Peinlich". Als sie es noch einmal versuchte: "Noch peinlicher." Darauf schloss sich Karan Armstrong in ihrem Hotelzimmer ein. Götz lief hinter ihr her und rief durch die Zimmertür: "Karan, willst du mich heiraten!?"Jetzt wird neben der Oper ein Platz nach Götz Friedrich benannt.Schön, aber er hätte einen viel größeren Platz verdient.Die Fragen stellte Peter Uehling.