Jugend ist kein Verdienst, Alter auch nicht. Eine Zeit lang waren es vornehmlich ältere Fachleute, die im deutschen Kino die Genres vermissten: Man könne das alles, Thriller, Fantasy, Action, Horror, hier zu Lande doch genauso gut wie in Hollywood, hieß es. Dann kamen junge Regisseure und schlossen diese Lücke zur Traumfabrik, etwa indem sie dort Karriere machten. Der 1977 in Rosenheim geborene Marco Kreuzpaintner gehört zu dieser Garde junger Filmemacher, die vor knapp zwei Jahren als "Deutsches Regie-Wunder in Hollywood" Schlagzeilen machte. Mit 25 Jahren drehte Kreuzpaintner seinen ersten Langspielfilm, "Ganz und gar"; sein dritter Spielfilm, das Menschenhandelsdrama "Trade - Willkommen in Amerika", entstand dann schon in den USA, unter den Fittichen von Roland Emmerich.Mit diesem Film bewies Marco Kreuzpaintner, dass er zwei Dinge plausibel zusammenbringen konnte: amerikanisches Erzählkino und Autorensprache. Mit ersterem hat Kreuzpaintner, der übrigens in Salzburg Kunstgeschichte studiert hat, ohnehin keine Problem. Die Generation, der er angehört, ist mit dem US-Unterhaltungskino groß geworden und hat sich auch mit seiner Hilfe abgenabelt von den Übervätern des Neuen deutschen Films der 1970er. Allzu viel Demut vor großen Namen wird man unter den Vertretern dieser jungen Generation also kaum finden; und so wundert es auch nicht, dass sich Kreuzpaintner an die Verfilmung eines so populären Buchs wie Otfried Preußlers "Krabat" gewagt hat - und dies obwohl eifrige Leser die kritischsten Kinozuschauer sind. Kreuzpainter gehörte indes selbst zu den Bücherwürmern: Als er dreizehn war, las er Preußlers "Krabat" gleich mehrfach und identifizierte sich mit dem Titelhelden, einem Waisenjungen, der vor dem Krieg Zuflucht sucht in einer Gemeinschaft. Mit der Verfilmung, so sagt Kreuzpaintner, habe sich ein Traum erfüllt. Den Segen des Romanautors hatte er auch: Nicht nur hat Otfried Preußlers Tochter Susanne die Arbeit am Film intensiv begleitet - ihr Vater hieß das Ergebnis auch gut. Als Regisseur will Kreuzpaintner eine Geschichte so erzählen, dass sie das Herz anspricht. Wenn das gelingt wie in diesem Fall, ist es ein Verdienst.------------------------------Foto: Regisseur Marco Kreuzpaintner