BERLIN, 13. Mai. Nun hat es der baden-württembergische Medien-Manager und einstige SWF 3-Moderator Bernd Schumacher doch noch zu einer Poleposition gebracht. Ausweislich der jetzt veröffentlichten Rechenschaftsberichte war die von ihm geführte B.TV Television GmbH & Co. KG mit Sitz in Ludwigsburg im Jahr 2001 noch vor dem Daimler-Benz-Konzern der mit Abstand größte Finanzier der im Deutschen Bundestag vertretenen politischen Parteien. Insgesamt ließ die B.TV danach CDU, SPD, FDP und Grünen den stolzen Betrag von 2,1 Millionen Mark zukommen. Genutzt hat dies dem Regional-Sender indes nicht: Anfang August letzten Jahres ging B.TV in die Insolvenz. An der scheinbar so üppigen Pflege der politischen Landschaft indes lag dies kaum. Wie die Schatzmeistereien der Parteien unisono erklärten, habe B.TV kein Geld, sondern "Sachleistungen" zur Verfügung gestellt. Der Sender habe 2001 im Zuge des baden-württembergischen Landtagswahlkampfs Werbespots der Parteien kostenlos ausgestrahlt. Anschließend habe das Management um die Überlassung von Spenden-Quittungen in dem jeweils entsprechenden Gegenwert gebeten. Dieser Bitte seien die Parteien nachgekommen.Talken mit TeufelOb die Werbespots tatsächlich in dem von B.TV behaupteten Umfang ausgestrahlt wurden, wurde von den Parteien nicht überprüft. Für das Ausstellen der Quittungen sei dies ohne Belang gewesen: Entgegen anderen Hoffnungen im B.TV-Management habe das Unternehmen mit den Belegen nämlich nichts anfangen können, da Parteispenden juristischer Personen - das sind insbesondere Firmen - steuerlich nicht mehr absetzbar seien.Um die Liquidität von B.TV jedenfalls war es schon 2001 alles andere als rosig bestellt. Das Unternehmen schrieb tiefrote Zahlen. Wie die Stuttgarter Zeitung berichtete, richtete Manager Schumacher im Januar 2002 gar einen Brandbrief an die baden-württembergische Staatsregierung, in dem er den Spitzen der von Erwin Teufel geführten Landesregierung klar machte, dass die Expansion seines Regionalsenders finanziert werden müsse, "so wie dies auch in Bayern und NRW der Fall war, wo beispielsweise die Landesbanken, Sparkassen und andere die dortigen Fernsehaktivitäten mit Milliarden unterstützt" hätten. Dabei hatte Schumacher zuvor schon Hilfen des Landes in Anspruch genommen, so etwa eine Bürgschaft der staatlichen L-Bank. Zudem sicherte die Stuttgarter CDU/FDP-Koalition B.TV die exklusive Präsenz eines privaten Regionalsenders im Kabelnetz. Dafür durfte im Gegenzug Regierungschef Erwin Teufel einmal pro Monat im Sender ohne jede kritische Nachfrage über Gott und die Welt sowie den politischen Gegner plaudern. Und selbst Helmut Kohls letzter Regierungssprecher Otto Hauser erhielt seine eigene Talk-Show.Provinz-Sender // Der Ludwigsburger Fernsehsender B. TV galt als verspäteter Versuch der baden-württembergischen Staatsregierung, mit der ehrgeizigen Medienpolitik von Bayern und Nordrhein-Westfalen Schritt zu halten.So erhielt der private Regionalsender die Möglichkeit, sein Programm ohne vorherige Ausschreibung exklusiv im Kabelnetz des Landes zu verbreiten. Auf ausdrücklichen Wunsch der Staatsregierung mietete B. TV dann für die europaweite Ausstrahlung auch einen extrem teuren Kanal auf dem TV-Satelliten Astra an.Wirtschaftlich griff das Management des als "Erwin TV" bespöttelten Minisenders auch auf unorthodoxe Methoden zurück: Mal mussten Unternehmen, über die berichtet wurde, einen Zuschuss zu den Produktionskosten zahlen, mal kam es ohne Rügen der Aufsichtsbehörden zur Schleichwerbung.