BERLIN, 24. September. Bei ihren Ermittlungen gegen Mitglieder eines mutmaßlichen DDR-Killerkommandos geht die Bundesanwaltschaft auch Mordfällen nach, die außerhalb des SED-Staates begangen worden sein sollen. So gibt es Hinweise, wonach die Spezialeinheit aus Ost-Berlin in den Tod der schwedischen Journalistin Cats Falk im Jahre 1984 verwickelt gewesen sein soll.Die in Schweden sehr populäre Fernsehreporterin Cats Falk war in der Nacht auf den 19. November 1984 zusammen mit ihrer Freundin Lena Graens spurlos verschwunden. Ein halbes Jahr später fischte man die beiden in einem Auto aus dem Stockholmer Hammarby-Kanal. Die Polizei ging von einem Unfalltod aus.Nach Informationen, die die Berliner Zeitung erhalten hat, soll aber ein dreiköpfiges Killerteam aus der DDR die beiden Frauen ermordet haben. Danach sei das Team seinerzeit über eine Grenzschleuse der Stasi in der Nähe von Trogen bei Hof in die Bundesrepublik gelangt und hätte sich über Dänemark nach Schweden begeben. In Stockholm sollen die Täter den Kontakt mit Cats Falk gesucht haben. Bei einem Restaurantbesuch hätten sie ihr und ihrer Freundin Lena Graens ein Gift verabreicht, das die Körper der Frauen zeitweise lähmte. Anschließend sollen die Killer die beiden in das Auto gesetzt und das Fahrzeug in der menschenleeren Hafengegend von Stockholm in den Hammarby-Kanal geschoben haben.Ein Mordmotiv hätten die DDR-Verantwortlichen damals allemal gehabt: Cats Falk hatte kurz vor ihrem Tod in den Kreisen internationaler High-Tech- und Waffenschmuggler recherchiert. Dabei war sie auch auf Verbindungen zwischen schwedischen Firmen und der DDR gestoßen. Zum einen ging es hierbei um die illegale Lieferung von Computern und Rechenanlagen über die Ostsee nach Rostock; zum anderen war sie Waffenlieferungen des Rüstungskonzerns Bofors in die DDR auf der Spur - eine brisante Geschichte, denn dieses Material wurde von der DDR an den Iran weiter geliefert, der sich zu jener Zeit im Krieg mit Irak befand.Einen Monat vor ihrem Tod soll sich Cats Falk laut schwedischen Ermittlungsakten "geradezu euphorisch" einer Freundin anvertraut haben: Sie hätte endlich etwas aufgedeckt, was noch kein Journalist vorher gefunden habe.Davon hatten offenbar aber auch andere Kreise Wind bekommen. Tatsache ist, dass Cats Falk kurz vor ihrem Tod mit einem angeblich aus den USA stammenden Fernsehteam zusammentraf, das den Kontakt zu ihr gesucht hatte. Dieses TV-Team blieb später unauffindbar - handelte es sich hierbei um das mögliche Killerkommando aus der DDR?Auch die ZERV ermittelte zu Auftragsmorden // In den neunziger Jahren hatte bereits eine Sonderabteilung der Zentralen Ermittlungsstelle für Regierungs- und Vereinigungskriminalität (ZERV) mögliche Auftragsmorde durch MfS-Agenten recherchiert. Alle Verdachtsfälle waren im westlichen Ausland geschehen.Nach ZERV-Erkenntnissen seien als Täter stets westliche Agenten durch die Stasi gedungen worden. Hinweise auf die Existenz von Killerkommandos, wie sie die Bundesanwaltschaft jetzt zu haben scheint, lagen der ZERV seinerzeit nicht vor.DPA/RALF SUCCO Stasi-Chef Erich Mielke (l. ) und SED-Chef Erich Honecker - haben sie zu DDR-Zeiten Morde in Auftrag gegeben?