Ein Unternehmer will in Briest neuartige Flugboote bauen und 300 Arbeitsplätze schaffen: Fischers fliegende Flunder

BRANDENBURG/HAVEL. Es ist kein Schiff, und es ist auch kein Flugzeug. Ein Mittelding eben. Der Hoverwing 80 schwebt in ein bis zwei Meter Höhe über dem Wasser, ohne ein Luftkissenboot zu sein. Das mit maximal 80 Passagieren besetzte Flugschiff schafft eine Höchstgeschwindigkeit von 180 Kilometern pro Stunde. Es ist dabei um ein Vielfaches schneller als ein normales Passagierschiff und verbraucht weitaus weniger Sprit als ein Flugzeug. Den Siegeszug rund um die Welt soll die so genannte fliegende Flunder von Brandenburg aus starten. Der nordrhein-westfälische Flugmechaniker Hanno Fischer, der mit seiner Firma "Fischer Flugmechanik" alle Patente für das Fahrzeug besitzt, will seine Maschinen auf dem einstigen sowjetischen Militärflugplatz Briest bei Brandenburg/Havel herstellen. Schon in diesem Jahr soll mit dem Bau der Flugzeugwerft begonnen werden. Im nächsten Jahr beginnt die Produktion. 2006, so sehen es die Planungen vor, geht der Hoverwing in Briest in Serie. 300 Arbeitsplätze sollen entstehen. Unklar ist bisher noch die Finanzierung. Daher ist Fischer derzeit in Singapur unterwegs, um eine Investorengruppe von seinem Projekt zu überzeugen. Zudem hofft er auf Fördergelder des Landes."Der Flugplatz Briest wäre für uns der ideale Standort für die Entwicklung des Hoverwing", sagt Erika Fischer, die Ehefrau des Firmenchefs, im heimischen Willich. Briest liege direkt an der Havel und habe damit auch eine direkte Verbindung zur Ostsee. Dort sollen Fischers fliegende Flundern einmal als Fähre unterwegs sein und beispielsweise die Verbindung zwischen Rügen und Schweden übernehmen. Nicht einmal eine Stunde wird der Hoverwing für die Strecke benötigen. "Durchaus realistische Planungen", sagt Corporate-Consult-Chef Benjamin Bartsch, der vom Landkreis Potsdam-Mittelmark als Projektmanager eingesetzt wurde. Bartsch soll im Auftrag des Landkreises potenziellen Investoren den Weg für eine Ansiedlung auf dem Flugplatz Briest freimachen. So auch dem Flugbootbauer Fischer. "Es gibt weltweit durchaus Interessenten für Fischers Maschinen", sagt Bartsch. So würden seit Anfang des Jahres die Australier den kleinen Bruder des Hoverwing, den achtsitzigen Airfisch, auf Lizenz bauen. Dort wird der Airfisch vor allem als eine Art Wassertaxi eingesetzt. Vorstellbar wäre ein Einsatz auch als Touristen-Shuttle zwischen den vielen Inseln Indonesiens. "Der Hoverwing wird die Leute sehr viel schneller und vor allem auch preiswerter transportieren können, als jede gewöhnliche Fähre", sagt Bartsch. Und: die Passagiere leiden nie wieder unter der Seekrankheit. Der Hoverwing berührt die Wellen nicht, kräuselt nicht einmal die Wasseroberfläche.Dass der Hoverwing bei geringer Motorleistung so schnell fliegen kann, verdankt er dem Bodeneffekt, dem bei der geringen Höhe entstehenden Luftfilm unter den Tragflächen. "Der wirkt wie eine Art Schmierfilm, auf dem das Fahrzeug dahingleitet", sagt Bartsch. Das Prinzip funktioniert wie bei Wasservögeln, die wegen der sich bildenden Stauluft unter den Flügeln unmittelbar über der Wasseroberfläche dahinsegeln, ohne dabei viel Energie zu verbrauchen."Die Ansiedlung von Fischer Flugmechanik wäre ein Hoffnungsschimmer für die Region mit mehr als 20 Prozent Arbeitslosigkeit", sagt Eveline Vogel, vom Stab für Kreisentwicklung des Landkreises. Erst in der vergangenen Woche habe es im Wirtschaftsministerium dazu ein Gespräch gegeben. "Der Investor und das Land müssen jedoch noch ihre Hausaufgaben machen, bevor es losgehen kann", sagt Frau Vogel.Aus dem Wirtschaftsministerium heißt es, das Land werde die Förderfähigkeit des Vorhabens prüfen. Dazu fehlten jedoch noch die vollständigen Antragsunterlagen, um das Projekt beurteilen zu können.Gleiten mit Tempo 180 // Ansiedlung: Die Firma "Fischer Flugmechanik" will ab Herbst des nächsten Jahres auf dem Flugplatz von Briest den "Hoverwing 20" und später das größere Modell, den Hoverwing 80", bauen. 300 Arbeitsplätze sollen entstehen.Hoverwing: Der Hoverwing ist weder Flugzeug noch Schiff. Er nutzt die Stauluft unter den Tragflächen als Luftpolster zum Auftrieb. Der Hoverwing bietet 20 bzw. 80 Personen sowie zwei Besatzungsmitgliedern Platz. Er fliegt in ein bis zwei Metern Höhe über das Wasser und erreicht Tempo 180. Der Spritverbrauch ist dabei extrem niedrig.Airfische: Bereits jetzt im Einsatz ist der kleinere Bruder des Hoverwing, der Airfisch. Er bietet acht Personen Platz. Australien hat die Lizenz zum Bau des Airfisch erworben.Ekranoplane: Die Russen entwickelten in den 50er-Jahren Bodeneffektfahrzeuge, die sie Ekranoplane nannten. Das Fahrzeug war 500 Tonnen schwer und raste mit 450 Kilometern pro Stunde übers Kaspische Meer. Die Amerikaner nannten die Ekranoplane "Kaspische Ungeheuer. " .DPA Schnell und billig übers Wasser: der Airfisch, der kleine Bruder des Hoverwing.BLZ/RITA BÖTTCHER Auf dem Flugplatz Briest soll der Hoverwing ab 2006 in Serie gehen.