COTTBUS. "Der Cottbusser Postkutscher putzt den Cottbusser Postkutschkasten blank." Wolfgang Heym sagt, dass er den Zungenbrecher fehlerlos aufsagen kann. "Auf alle Fälle aber nach dem zweiten Schnaps", räumt der Tourismusmanager von Cottbus dann scherzhaft ein. Wer kennt ihn nicht, diesen vermaledeiten Satz vom Cottputscher von Postbus, äh Postkutscher von Cottbus. Er zählt neben dem frische Fische fischenden Fischers Fritze zu den bekanntesten deutschen Zungenbrechern. "Der Postkutscher ist für die touristische Entwicklung von Cottbus eine hervorragende Figur", sagt Heym. Deswegen freut er sich sehr über das, was in einem Angermünder Atelier derzeit passiert und 2006 zur 850-Jahr-Feier von Cottbus allen gezeigt werden soll.In Angermünde werkelt Bildhauer Christian Uhlig an einer Bronzeskulptur des Postkutschers. Uhlig war nach einer bundesweiten Ausschreibung vom Cottbusser Turmverein ausgesucht worden, dem wohl bekanntesten Sohn der Stadt ein Denkmal zu setzen. Der Verein, der sich der Denkmalpflege widmet, hat Spenden gesammelt und wird die Skulptur der Stadt schenken. "Es wird kein Denkmal", sagt Bildhauer Uhlig sofort. Der Cottbusser Postkutscher sei schließlich eine Figur, die nie wirklich existiert hat. "Er ist eine Fantasiefigur und fand nur wegen des Zungenbrechers eine solche Öffentlichkeit", so Uhlig. Er will den Postkutscher als Husaren, als Abenteurer der Landstraße darstellen.Sein Cottbusser Postkutscher - etwa 80 Zentimeter groß - wird nicht etwa wie eine normale Skulptur auf einem einzigen Sockel stehen. Er wird auf einem Kutschbock sitzen, das Posthorn in der Hand. "Seine Post-Uniform liegt ein wenig locker am Körper. Und hinter der Kutsche werden Gepäckstücke liegen, die er verloren hat", sagt der Künstler. Dann ist da noch ein Eimer mit Putzzeug, der später in der Nähe der Kutsche "herumstehen" wird - denn immerhin ist der Postkutscher ja wegen seiner sprichwörtlichen Putz-Wut bekannt.Steffen Krestin, Leiter der stadtgeschichtlichen Sammlungen und Mitglied des Turmvereins, sagt, man habe sich für Christian Uhlig entschieden, weil der einen gesamten Platz gestalte. "Der Postkutscher hat in Cottbus für Werbezwecke schon in den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts eine Rolle gespielt: auf Postkarten und auf Plakaten etwa", begründet Krestin das Engagement des Vereins. Die Bronzeplastik selbst werde aus Spenden finanziert. "Einen beträchtlichen Beitrag hat die Deutsche Post geleistet", sagt Krestin. Den Zungenbrecher kann er übrigens nicht aufsagen. "Der Cottbusser Postkutscher, dann ist Schluss." Die Idee für eine Skulptur des kutschierenden Boten ist nicht ganz neu. Krestin fand einen Zeitungsartikel von 1939. "Damals entschloss man sich, dem Postkutscher ein Denkmal zu setzen und einen Brunnen zu Ehren der Tuchmachertradition in dieser Stadt zu bauen", sagt er. Den Tuchmacherbrunnen habe man noch geschafft, das Denkmal selbst verhinderte der Krieg.Ab April 2006 wird der Cottbusser Postkutscher zur 850-Jahr-Feier der Stadt auf dem Rondell an der Lindenpforte zu bewundern sein. Nicht jeder habe diesen Standort befürwortet, sagt Tourismusmanager Heym. Es habe Stimmen gegeben, die Skulptur auf dem Altmarkt aufstellen zu lassen - in der Stadtmitte wie ein richtiges Denkmal eben. Doch davon hält Heym nichts. "Der Postkutscher soll kein Denkmal sein, das auf die Menschen herunterschaut. Das wäre nicht mehr zeitgemäß und langweilig", sagt er. Der Postkutscher solle etwas zum Anfassen werden. Einer, mit dem sich die Leute in der Region identifizieren können und der zum Geschichtenerzählen anregt. Oder aber zum Zungebrechen.------------------------------Foto: Herr über Kutsche und Pferd - der Postillon war oft prächtig gewandet.

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