So wie die Gründung der DDR historisch begründet, notwendig und legitim war, so war es ihr Recht und die Pflicht, Gefahren und Schäden für das Land und die Bürger abzuwenden." Und: "Jede einseitige Betrachtung der Aufklärungs- und Abwehrarbeit des MfS, ihrer Mittel und Methoden ist ohne den Zusammenhang zur tatsächlichen Bedrohungs- und Gefahrenlage für die DDR und ihre Bürger ahistorisch, einseitig und falsch." Zitatende.Jene Sätze (aus einem Vortrag von 2004 mit dem Titel "Die staatliche Sicherheit wahren, die Bürger schützen, den Frieden erhalten - das waren Auftrag und Anliegen des MfS") stammen von Wolfgang Schwanitz, dem inzwischen fast 78-jährigen ehemaligen Stellvertreter von Stasi-Minister Erich Mielke. Daran ist zweierlei typisch für einstige Hauptamtliche wie ihn: erstens der konsequent unkritische Versuch, die Repressionen des MfS als antifaschistische Notwendigkeit darzustellen. Zweitens sein Alter.Dies ist die doppelte Erkenntnis einer neuen Studie des Berliner Verfassungsschutzes, in der die vier größten sogenannten Stasi-Vereine untersucht werden, wenn auch nur anhand öffentlicher Quellen. Untersucht wurden die "Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde" (GBM) mit ihrer Arbeitsgemeinschaft "Insiderkomitee zur Förderung der kritischen Aneignung der Geschichte des MfS"; außerdem die "Gesellschaft zur rechtlichen und humanitären Unterstützung" (GRH) und die "Initiativgemeinschaft zum Schutz der sozialen Rechte ehemaliger Angehöriger bewaffneter Organe und der Zollverwaltung der DDR" (Isor). Alle wurden Anfang der 90er-Jahre gegründet - stets unter Beteiligung ehemaliger Stasi-Mitarbeiter - und sind nach eigenen Angaben als gemeinnützig anerkannte Vereine.Die Studie ist Grundlage für die kürzlich wiederholte Einschätzung von Innensenator Ehrhart Körting (SPD), dass diese Organisationen zwar historisch extrem zweifelhafte Thesen vertreten, aber deshalb noch nicht extremistisch sind. Körting lehnt daher eine - etwa von der CDU geforderte - Beobachtung durch den Verfassungsschutz ab. In der Tat haben die Vereine zwar teils beachtliche Mitgliederzahlen, jedenfalls nach eigenen Angaben: So rühmt sich die Isor "nahezu 26 000 Mitglieder" zu vertreten, die GBM spricht von 3 500, die GRH von 1 500 Mitgliedern. Doch gefährlich für die freiheitliche Grundordnung sind sie deshalb laut Verfassungsschutz nicht. Im Gegenteil: Wichtigster Daseinszweck besonders von Isor und GBM ist die Aufbesserung der Rentenbezüge ihrer Mitglieder, weshalb regelmäßig Beratungen wider das "Rentenstrafrecht" angeboten werden; die GBM etwa berät seit mehr als zehn Jahren in den Räumen der Bezirksbibliothek Lichtenberg, die Isor in ihrer Geschäftsstelle am Franz-Mehring-Platz im Gebäude der Zeitung Neues Deutschland, deren Herausgeber Linkspartei-Bundeschef Lothar Bisky ist. Dort sitzt auch die GRH, die wie das "Insiderkomitee" eher ideologische als materielle Ziele verfolgt. Egon Krenz zum Beispiel ist GRH-Mitglied, die Mielke-Stellvertreter Schwanitz und Werner Großmann zählen zu ihren Protagonisten.Die GRH dürfte, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, denn auch das schärfste Schwert der Ex-Stasis sein. Sie bemühe sich um Diffamierung der Bundesrepublik als Staat der Altnazis und des Großkapitals, während das DDR-System, so der Verfassungsschutz, "verharmlost und verherrlicht" werde. Dennoch attestiert die Behörde der GRH eine "wenig umstürzlerische Gesinnung", ruft sie doch zu Bundestagswahlen auf. Das MfS-Insiderkomitee qualifizieren die Verfassungsschützer als "Synthese von Veteranenverein und PR-Agentur", letzteres wegen manches Medienkontakts, etwa zum MDR. Auch die GBM, unter anderem gegründet von entlassenen Wissenschaftlern, betreibe zwar "ideologisch und psychologisch motivierte" DDR-Verklärung, aber ohne revolutionäre Ziele. Kontakt zur Politik pflegen vor allem die Rentenrechtsstreiter der Isor: Sie begrüßten schon die Linkspartei-Politiker Gesine Lötzsch und Gregor Gysi auf ihren Veranstaltungen.------------------------------"Das Motiv für DDR-Verklärung ist offenkundig die eigene Verstrickung." Verfassungsschutz