Er war einer der vielen Schwaben, die nach Berlin kamen, um hier ihr Talent zu entfalten: Johann Emil Schaudt, der Architekt des KaDeWe. Er galt den Zeitgenossen als einer der führenden konservativen Architekten Deutschlands. Berühmt waren seine repräsentativen Geschäftsbauten, aber auch die U-Bahn-Station Schöneberg. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg, nach dem Scheitern aller Großmachtträume, wollte man sich in Deutschland nicht mehr an einen Baumeister erinnern, dessen Karriere mit einem der Monumente dieser Träume begonnen hatte: 1901 gewann Schaudt mit dem Bildhauer Hugo Lederer den Wettbewerb für das Bismarck-Denkmal Hamburgs. Seither bewacht der Recke die Einfahrt zum Hafen, wurde zum Symbol für die Idee, von hier aus die Weltmeere zu beherrschen.Der 1874 in Stuttgart Geborene ging nach dem Diplom in das Büro Skjöld & Neckelmann, das berühmt war für ausschweifend neubarocke Kompositionen, dann in das Büro Paul Wallots, der mit dem Berliner Reichstag das Monument einer plastischen Architektur schuf. Um 1910 wechselte Schaudt hin zu einem strengen, oft sogar trockenen "deutschen" Neuklassizismus. Der für ihn erste Bau in diesem Stil war das KaDeWe von 1907. Schaudt gab ihm ein geschlossenes Fassadenraster und graue Muschelkalkwände, aus denen das Goldmosaik des Eingangs herausstrahlt. Noch 1940 war dieser Stil beliebt, aber als er 1957 starb, war Schaudt vergessen.Das Buch: Johann Emil Schaudt. Reprint Gebr. Mann-Verlag Berlin 1996, 120 S., 29,80 Euro.------------------------------Foto: Johann Emil Schaudt------------------------------Foto: Das Kaufhaus des Westens wurde von 1905 bis 1907 erbaut.