Walzer konnte man nicht tanzen, als dieser Tage Jörg Foth seinen neuen Dokumentarfilm "PrenzlauerBerg-Walzer" vorstellte. Dafür war die Eckkneipe mit dem schönen Namen "Übereck" einfach zu übervoll.Um diesen Berliner "Helmatfilm" milleugerecht vorzuführen, hatte das Europäische Fernseh-Festival Berlin zu seinem 15. Audiovisuellen Salon bewußt In das ehemalige Eck-Kino "Berolina" eingeladen, ein Ort, der seit den sechziger Jahren als Lager gedient hatte und dessen Auferstehung als "Kneipe mit Kulturprogramm" Bestandteil des Films Ist.Aus vielen kleinen Alltagsgeschichten seiner nachbarschaftlichen Umgebung am Prenzelberg hat Foth zusammen mit einem der besten DEFA-Kameramänner für Dokumentarfilm, Thomas Plenert, und der Spielfilmcutterin Gabriele Herms ein liebevolles, zu Herzen gehendes Mosaik, zusammengesetzt mit köstlichen 0-Tönen aus alter Damen Mund, etwa: "Sterben Sie bloß nicht! Beerdigungen sind ja so teuer." Die Langzeltbeobachtung über drei Jahre vom Vereinigungstag bis zum Anfang des Superwahlpahres 1994 ist eine elegische Milieustudie gegen den Zeitgeist: Reality TV, nicht reißerisch und poppig, sondern beschaulich und nachdenklich machend. Da sind Menschen, denen Erinnerungen wichtiger sind als Tagespolitik: "Das Eigentliche", sagt Foth, "waren nicht der Krieg und nicht die Mauer, es war die Frisur, das Kostüm, der Blick In den Spiegel."Den in der DDR so gehegten Dokumentarfilm für das Kino gibt es ja nicht mehr, und so Ist es schon erstaunlich, daß ZDF-Redakteur Nicolaus Richter dieses 108-Minuten-Stück Alltagsbeobachtung ins Fernsehen bekommen hat, wenn auch nur zur mittemachtlichen Nischenzeit.Vielleicht könnte sonst die heitere Kunst der Vergangenheitsbewältigung Schule machen, zu der ZDFModerator Gustav Trampe bei der Podiumsdiskussion etwas sarkastisch meinte: "Warum die nur PDS wählen, wenn s denen doch so gutgeht?" Der Film läuft am 4 Oktober um 23.40 Uhr im ZDF.