Eines muss man Guido Knopp und seinem ZDF-History-Team lassen: Sie lassen sich von Kritik und Häme wahrlich nicht einschüchtern. Als die Knopp-Werkstatt vor einem Jahr den Film "Mythos und Wahrheit" über die offenen Fragen und Widersprüche der Anschläge vom 11. September 2001 zeigte, hagelte es in den Medien Proteste. Der Spiegel etwa sprach von einem "Gerüchteeintopf" aus "tausendundeiner Verschwörungstheorie" und warf dem öffentlich-rechtlichen Sender eine "fahrlässige Verhöhnung der Opfer" vor.Wer mag, kann sich nun wieder echauffieren: Am späten Sonntagabend, kurz vor Mitternacht, lief die sehenswerte ZDF-History-Folge "Das Geheimnis des dritten Turms". Der in Kooperation mit der britischen BBC entstandene Film nimmt sich eines der großen Rätsel der Anschläge vom 11. September an, das bis heute Anlass für Spekulationen bietet: Der Einsturz von Gebäude Nummer 7 auf dem Areal des World Trade Centers.Wann schmilzt Stahl?Mehr als sieben Stunden, nachdem damals die von zwei Passagierflugzeugen getroffenen Zwillingstürme in sich zusammengestürzt waren, kollabierte das benachbarte und inzwischen evakuierte 170 Meter hohe Bürohaus. In ihm waren Außenstellen der CIA, des Secret Service und des Pentagon sowie die Börsenaufsicht untergebracht. Außerdem befand sich in jenem "dritten Turm" die Kommandozentrale der Stadt New York, von der aus im Fall von Terrorangriffen und Naturkatastrophen die Notfalleinsätze koordiniert werden sollten.Schon allein wegen dieser Zentrale wurde das Gebäude besonders sicher gebaut. Dennoch sollen laut offizieller Darstellung Trümmer der einstürzenden Zwillingstürme das 47-stöckige Gebäude in Brand gesetzt haben, was zu dessen Einsturz führte. Zweifler hingegen behaupten, das Haus wurde gesprengt.Tatsächlich ist es auffällig, wie symmetrisch das Gebäude an dem Septembertag zusammenfiel. Ein niederländischer Sprengstoffexperte, der in dem ZDF-Film interviewt wird, sagt, dass ein solches Bild nur bei Gebäudesprengungen entsteht. Sein US-Kollege widerspricht. Ihm zufolge haben die Feuer im Inneren des Gebäudes zum Schmelzen des Stahlskeletts geführt.Aber können Feuer in mehreren Büroetagen, die nur zeitweise brennen, tatsächlich eine solche Hitze erzeugen? Wissenschaftler und Ingenieure, die in dem ZDF-Film zu Wort kommen, bezweifeln das. Das Gebäude Nummer 7 wäre das erste Stahlhochhaus, dass wegen eines Feuers zusammengebrochen ist, behaupten sie. Sie verweisen auf ein Madrider Hotel von ähnlicher Bauweise, das 24 Stunden lang brannte, bevor es - und dann auch nur teilweise - zusammenstürzte. Ein Experte glaubt gar, in den rasch fortgeschafften Trümmern des Gebäudes Spuren von Thermit gefunden zu haben, einem Stoff, der Stahl zum Schmelzen und, an den tragenden Säulen platziert, ein Haus wie das Gebäude Nummer 7 zum Einsturz bringen kann.Einsturz oder Sprengung, Unfall oder Verschwörung? Die Frage beantworten auch die Macher des Films nicht. Sie bleibt weiter offen.------------------------------Foto: Schutt und Asche: das WTC-Gelände nach den Anschlägen.