Ein Zirkus kam nach Finsterwalde - und blieb und blieb und blieb: Ein Haufen Mist

Im Oktober vorigen Jahres stand das fahrende Volk vom Zirkus Schickler aus Hameln vor Evelyn Mahnkes Tür. Die Zirkusleute gaben an, von der Stadt geschickt worden zu sein, erzählt die Frau. Evelyn Mahnke besitzt ein großes Grundstück in Finsterwalde, eine Industriebrache mit einigen Hallen darauf. Ideal für ein paar Tiere. "Sie erzählten mir, dass sie haufenweise Auftritte in Schulen und Kindergärten hätten und nun ein Winterquartier benötigten", so Frau Mahnke. Angeblich wollte der Zirkus "weniger als zehn Tiere und zwei oder vier Tierpfleger" unterbringen. Doch dann stand plötzlich eine ganze Reihe Wohnwagen auf dem Areal. Etwa 30 Zirkusleute quartierten sich ein. Sie zogen von nun an öfter mit ihren Tieren bettelnd durch die Stadt.Der Winter verging, der Frühling und der Sommer auch - der Zirkus wollte nicht weichen. Obwohl er längst aufgefordert worden war, das Grundstück zu verlassen. Frau Mahnke drehte Strom und Wasser ab, weil die Gäste nicht mehr zahlten. Konrad Schickler, der dem Zirkus seinen Namen gab, sagt: "Die Frau wollte uns nur abzocken. Da haben wir gar nichts mehr bezahlt." Den Strom lieferten nun kleine Generatoren, Wasser gab es an der Tankstelle. Abreisen hätte der Zirkus gar nicht gekonnt, weil die Zugmaschine lange Zeit defekt gewesen sei, sagt Schickler.Anwohner beschwerten sich nicht nur wegen des Gestanks. "Es gibt ein paar Dutzend Anzeigen gegen den Zirkus", sagt Polizeisprecherin Ines Filohn. Der Zirkus habe - um es vorsichtig auszudrücken - in den vergangenen Monaten "die Geduld, Aufmerksamkeit, Kapazität und Dienstleistung der Polizei in nicht unerheblichem Maße in Anspruch genommen". "Es geht um Bedrohung, Körperverletzung und Diebstahl", sagt Ines Filohn. Man sei schon froh, dass der Zirkus sein "Winterquartier" verlassen habe."Das Ordnungsamt hat den Landkreis erstmals im April über die Beschwerden der Anwohner informiert", sagt Mathias Fritsche, der Sprecher des Landkreises Elbe-Elster. Zunächst sei das Veterinäramt tätig geworden. Doch bei der Überprüfung der Tiere habe es keine Beanstandungen gegeben. Mitarbeiter des Umweltamtes inspizierten öfter den groß und größer werdenden Misthaufen. "Am 13. September erging an den Zirkus eine Ordnungsverfügung, den Mist zu beseitigen", sagt Fritsche. "Davon weiß ich nichts", sagt Konrad Schickler.Das Bauamt untersagte schließlich die Nutzung einer Halle als Stall aus baurechtlichen Gründen. Wenig später zog der Zirkus weiter nach Altdöbern, wo das Ordnungsamt nichts zu beanstanden hatte. An diesem Wochenende steht das Zirkuszelt nun in Drebkau. "Wir wurden vorgewarnt und schauen wachsam hin", sagt Bürgermeister Harald Altekrüger. Schickler ist froh, wenn das bis 400 Menschen fassende Zelt zu einem Viertel gefüllt ist.Evelyn Mahnke will jetzt auf ihrem Grundstück Ordnung schaffen. Auch mit Hilfe von Ebay. 470 Mal wurde ihre Offerte aufgerufen, zwei Angebote gingen ein. Um 13.29 Uhr war der Haufen verkauft. Der neue Besitzer muss ihn nur noch abholen und bezahlen. 1,50 Euro kostet ihn der Mist.------------------------------"Wir wurden vorgewarnt und schauen wachsam hin." H. Altekrüger, Bürgermeister in Drebkau